Remmo-Prozess geht bis Weihnachten: War Angeklagter bei Juwelenraub oder in Klinik?

Dresden - Krankenhaus oder Grünes Gewölbe? Das war die Frage, die das Gericht im Remmo-Prozess am Freitag beschäftigte. Im Verfahren um die geklauten Juwelen aus dem Grünen Gewölbe hatte der Angeklagte Ahmed R. (24) behauptet, in der Tatnacht in der Klinik gewesen zu sein. Der Fakt zumindest wurde jetzt bestätigt.

Die ausgeraubte Vitrine im Grünen Gewölbe. Doch bislang fehlt jede Spur vom Diebesgut.
Die ausgeraubte Vitrine im Grünen Gewölbe. Doch bislang fehlt jede Spur vom Diebesgut.  © Oliver Killig/dpa-Zentralbild/dpa

Laut Anklage klauten die sechs angeklagten Mitglieder des Remmo-Clans (24 bis 28 Jahre) im November 2019 nachts zahlreiche Diamanten aus dem Schloss. Im Prozess ließ Ahmed R. über seine Anwälte wissen, er sei in jener Nacht in Berlin-Neukölln in der Notaufnahme gewesen.

Am Freitag sagte ein Ermittler im Zeugenstand aus, der diese Version überprüft hatte. Demnach hatte Ahmed tatsächlich um 0.42 Uhr im Spital ein Selfie gemacht und an seine damalige Freundin (31) geschickt.

Der Behandlungsbrief wurde um 2.46 Uhr ausgedruckt, der Einsatz bei der Krankenkasse abgerechnet. Laut Polizei kann Ahmed das Klinikgelände gegen 3 Uhr verlassen haben.

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Allerdings: Auch die damalige Freundin von Ahmed wurde am Freitag gehört. Denn die Polizei hatte schier endlose Chatnachtrichten zwischen den beiden ausgewertet. Darin hatte sie ihm gedroht, "das mit den Juwelen" auszusagen. Ahmed habe ihr demnach selber gesagt, dass er "dabei war".

Im Zeugenstand erklärte sie nun: "Ich war eifersüchtig, weil er auch was mit anderen Frauen hatte." An viele Nachrichten habe sie keine Erinnerung mehr. Nun ist es an den Richtern, die Glaubwürdigkeit der Frau zu bewerten.

Wissam (25) ist einer der Angeklagten. Er soll zum berüchtigten Remmo-Clan aus Berlin gehören.
Wissam (25) ist einer der Angeklagten. Er soll zum berüchtigten Remmo-Clan aus Berlin gehören.  © Peter Schulze
Ahmed R. (24) behauptet, in der Tatnacht in einer Klinik gewesen zu sein.
Ahmed R. (24) behauptet, in der Tatnacht in einer Klinik gewesen zu sein.  © Peter Schulze

Immerhin: Als Ahmed untergetaucht war, schrieb sie jemandem: "Die werden niemals darauf kommen, dass er bei mir ist." Nun wird gegen sie ermittelt, weil sie Ahmed Unterschlupf gewährt haben soll.

Die Staatsanwaltschaft geht weiterhin davon aus, dass Ahmed, der schon für den Klau der 100-Kilo-Gold-Münze in Berlin verurteilt wurde, trotz Klinikaufenthalt in Berlin beim Coup in Dresden dabei war.

Wegen dieser uns zahlreicher anderer ungeklärter Fragen geht der Prozess nun in die Verlängerung. Eigentlich war ein Urteil für Oktober geplant. Nun wurden weitere Termine bis Dezember anberaumt.

Titelfoto: Montage: Oliver Killig/dpa-Zentralbild/dpa, Peter Schulze

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