Er versteckte per Haftbefehl Gesuchten: Rennstall-Betreiber muss jetzt blechen

Dresden - Da hat er sich in was hineingeritten! Gleich an zwei Tagen hintereinander klingelte die Polizei beim branchenbekannten Rennstall-Betreiber Stefan R. (43) in Seidnitz. Die Beamten wollten keine Reitstunde mit einem der 40 untergestellten Englischen Vollblüter nehmen, sondern waren auf der Suche nach Stefan R.s Angestelltem Angelov A. (27). Doch statt der Polizei zu helfen, erzählte Stefan R. den Beamten Geschichten vom Pferd. Jetzt muss er blechen.

Die Beamten bewiesen den richtigen Riecher und galoppierten in den Pferdestall.
Die Beamten bewiesen den richtigen Riecher und galoppierten in den Pferdestall.  © Ove Landgraf

Mitarbeiter Angelov hatte wegen eines eigentlich profanen Vergehens die Polizei am Hals: mehrmaliges Falschparken. Doch weil er nie bezahlte, hatten sich schließlich Knöllchen-Forderungen von 700 Euro angehäuft.

Das reichte zum Vollstreckungs-Haftbefehl gegen den gebürtigen Bulgaren.

Die Fahndung nach ihm führte die Ordnungshüter auch zur Wohnung seines Chefs Stefan R. Aber statt die Wahrheit zu sagen, flunkerte der Reitstallchef den Beamten vor, dass A. Deutschland verlassen habe.

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Doch schon am nächsten Tag flog alles auf. Die misstrauischen Polizisten kehrten überraschend zurück, schauten im Stall neben der Wohnung nach – und wurden fündig. Der Gesuchte hatte sich unter einer Holzdiele auf dem Dachboden des Pferdestalls versteckt.

Für Angelov nahm das Katz- und Mausspiel ein glimpfliches Ende. Er trabte mit den Beamten brav aufs Revier, bezahlte seine Knöllchenschuld – der Haftbefehl war damit vom Tisch.

Dort auf dem Heuboden versteckte sich ein Angestellter des Rennstalls vor der Polizei – Betreiber Stefan R. (43) wusste davon.
Dort auf dem Heuboden versteckte sich ein Angestellter des Rennstalls vor der Polizei – Betreiber Stefan R. (43) wusste davon.  © Ove Landgraf

Angeklagter Stefan R. verurteilt, doch der kann die Geldstrafe mindern

Für seinen Chef hatte es aber ein gerichtliches Nachspiel: Weil er die Beamten erst hinters Licht geführt und dann bei der Stalldurchsuchung Angelov mit Rufen gewarnt hatte, wurde er wegen versuchter Strafvereitlung zur Zahlung von 3900 Euro verdonnert.

Am Freitag konnte er vor Gericht einen Nachlass herausschlagen. Der Rennstall-Betreiber ist derzeit im Krankenstand und verdient weniger. Die Justiz begnügt sich deshalb nun mit 1800 Euro.

Übrigens: Grund von Stefan R.s Malaise ist ein Reitunfall – der Rennstall-Betreiber war vom Pferd gefallen ...

Titelfoto: Ove Landgraf

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