Dresden - Schon seit 1996 betreibt der Italiener Luigi Murolo (75) das Restaurant "Ausonia" an der feinen Königstraße, seit 2012 "Ausonia 2" direkt am Dresdner Neumarkt. Prominenz bis hin zum Ministerpräsidenten zählte zu seinen Gästen. Doch ab 2018 betrog der Wirt bei der Steuer, sitzt nun vor dem Landgericht und steht vor den Trümmern seiner Existenz.
Der Sommer 2022 wurde Murolo zum Verhängnis: In Italien ließen Behörden den Betreiber eines illegalen Kassensystems auffliegen. Mussten Steuerhinterzieher lange ihre Abschlüsse noch händisch fälschen, gab es hier ein Kassensystem, bei dem man automatisch einstellen konnte, um welche Höhe man seine Einnahmen verschweigen wollte.
Geschäftstüchtig: Je mehr man betrügen wollte, desto mehr musste man für das System bezahlen. Weniger ausgefuchst: Auf dem Server des Anbieters waren viele Kundendaten zu finden ...
Und so wendete sich der Braunschweiger Zoll an die Dresdner Kollegen, da sie Murolo dort fanden. Von 2018 bis 2021 hatte der Gastronom 894.760,43 Euro zu wenig Steuern gezahlt.
Am 22. November 2022 rückte der Zoll dann in beide Restaurants und die Wohnung des Restaurant-Betreibers ein, fand im Keller tatsächlich noch besagte Kassen.
Beide Restaurants mittlerweile wohl fristlos gekündigt
Ein Blick ins Handy legte nahe, wieso die Kassen plötzlich im Keller lagen: Schon vor der Razzia hatte ein Bekannter aus Italien Murolo einen Zeitungsbericht über das Auffliegen des Betrugssystems geschickt.
Der Gastronom gab den Betrug vor Gericht vollumfänglich zu: Es sei anfangs nur eine Spielerei gewesen, doch in der Pandemie seien Existenzängste hinzugekommen. Beide Restaurants seien mittlerweile fristlos gekündigt, man sei aber noch in Verhandlungen mit der Eigentümergesellschaft.
"Wir arbeiten noch so lange, wie es geht", sagt der Gastronom. "Ich bin noch da, um zu helfen, um zu beraten und so." Denn die Firmenanteile sind mittlerweile auf seine Freundin überschrieben, der Geschäftsführerposten neu vergeben.
"Es tut mir leid, ich kann nichts anderes sagen", so Luigi Murolo. "Man verbietet mir jetzt, mich zu ernähren." Es sei der Fehler seines Lebens gewesen. Der Prozess wird fortgesetzt.