Tausende Pneus geklaut: Reifenbande muss für Jahre hinter Gitter
Dresden - Wenn Schließzeit war, kamen die Diebe. In unterschiedlicher Besetzung klauten vier Männer aus einer Logistik-Firma in Riesa insgesamt 4400 Reifen. Nun verurteilte das Landgericht Dresden die Pneu-Gang. Und auch das beklaute Lager bekam sein Fett weg.
Im Frühjahr 2023 klauten Marcel C. (36), der einst im Lager arbeitete, mit Kumpel Sandro S. (35) 200 Reifen. Die Pneus wurden im Netz nach Polen verscherbelt. Die Abnehmer verlangten Nachschub.
So holte Marcel noch Andreas M. (35) und Matthias W. (34) ins Boot, organisierte die Betriebsruhe-Zeiten des Lagers sowie eine Zugangskarte.
Weihnachten 2023 und Karfreitag 2024 fuhren leere Laster aufs Gelände. Insgesamt 4200 Reifen (Wert: 420.000 Euro) wurden verladen und abtransportiert. Die Bande kassierte dafür rund 300.000 Euro.
Am 3. Oktober 2024 flog aber ein weiterer Coup auf: Dieses Mal lag die Polizei auf der Lauer. Zwar wurden "nur" die ukrainischen Lkw-Fahrer festgenommen, Marcel und Co. konnten vorerst fliehen. Aber im Dezember 2024 landete die geständige Gang in U-Haft.
Nun gab es Urteile: Marcel bekam drei Jahre und sechs Monate Haft, Sandro vier Jahre, Matthias zwei Jahre und neun Monate.
Drei von vier Beschuldigten sitzen nun ein
Weil Marcel und Sandro in ihren Familien eingebunden sind, keine Fluchtgefahr besteht, durften sie aus der Haft, müssen sich aber zweimal wöchentlich bei der Polizei melden. Nur Matthias muss sitzen. Andreas bekam Bewährung.
Im Urteil wandte sich der Richter auch an die Logistik-Firma. Dort schien "Reifenklau Standard zu sein". Es verschwanden Pneus in ziemlichen Größenordnungen.
"Der Zugriff war denkbar einfach", sagte der Richter. "Ein derartiger Umgang mit solchen Vermögenswerten ist nicht nachvollziehbar."
Tatsächlich hatte Sandro in seinem Geständnis erklärt, dass er dabei war, als auch am 3. Oktober 2023 gut 800 Reifen geklaut wurden. Die Tat war der Justiz bisher unbekannt.
Titelfoto: Peter Schulze

