Tödlicher Fehler in Dresden: Hausärztin wegen Überdosierung verurteilt

Dresden - Es darf einfach nicht passieren und geschah doch: Statt einmal wöchentlich bekam Rentnerin Barbara A. (†81) in der Kurzzeitpflege täglich das entzündungshemmende Medikament Methotrexat (MTX), verstarb an den Folgen der Überdosierung am 12. Juni 2020. Dafür musste sich nun ihre Ärztin Elena N. (63) vor dem Dresdner Amtsgericht verantworten.

Ärztin Elena N. (63) musste sich wegen des tödlichen Fehlers vor Gericht verantworten.
Ärztin Elena N. (63) musste sich wegen des tödlichen Fehlers vor Gericht verantworten.  © Eric Münch

Schon seit 2016 bekam die Rentnerin das Medikament gegen ihr Rheuma, verschrieben von ihrer Hausärztin. "Ich betreue sie, seit ich die Praxis im Juli übernommen habe", sagte Elena N. vor Gericht. "Ihre Tochter kam mit ihr in die Praxis."

Die Tochter kümmerte sich auch zusammen mit einem mobilen Dienst um die Pflege der Rentnerin. Ende Mai 2020 sollte sie jedoch für zwei Wochen in eine Kurzzeitpflege.

Eine Kette tragischer Missgeschicke führte hier zu dem Unglück: Schon im Februar 2020 hatte Elena N. einen Medikationsplan für die Rentnerin erstellt, erstmals mit einer neuen Software. In dem Plan fehlte jedoch der Hinweis, dass MTX nur einmal die Woche eingenommen werden darf.

Unterschlupf oder Einbruch: Was wollte das Pärchen im Keller des Mietshauses?
Gerichtsprozesse Dresden Unterschlupf oder Einbruch: Was wollte das Pärchen im Keller des Mietshauses?

Auch beim Ausdruck im Mai 2020 fiel der Ärztin das nicht auf: "Die Schwester hat den Plan ausgedruckt", sagt sie.

"Und ich habe den Fehler übersehen. Es war stressig an dem Tag, von dem Heim bekam ich keine Rückmeldung."

Medikamenten-Hinweise missachtet: Weiteres Verfahren für Pfleger und Heimarzt

Auf den Tabletten ist extra ein roter Warnhinweis.
Auf den Tabletten ist extra ein roter Warnhinweis.  © IMAGO/Gutschalk

So bekam Barbara in der Kurzzeitpflege nun täglich die Tablette, obwohl auf der Verpackung extra ein Hinweis davor warnte. Deshalb gab es auch gegen die Pfleger und einen Heimarzt Verfahren.

"Wenn ich selbst auf diesen Plan geschaut hätte, wäre das nicht passiert", gestand Elena N. ihren Fehler. "Das ist für mich ein sehr großer Schock, es tut mir leid. Mein Beileid an die Tochter und die Enkel."

Das Gericht verurteilte sie wegen fahrlässiger Tötung zu 110 Tagessätzen zu je 90 Euro, also insgesamt 9900 Euro Strafe.

Titelfoto: Montage: Eric Münch, IMAGO/Gutschalk

Mehr zum Thema Gerichtsprozesse Dresden: