Prozess gegen Hooligan-Truppe "Starke Jugend" gestartet: "Vorherrschaft" des FC Erzgebirge Aue war ihr Ziel

Dresden - Laut Generalstaatsanwaltschaft wollten sie die "Vorherrschaft" des FC Erzgebirge Aue mit Gewalt durchsetzen. Die Staatsschutzkammer am Landgericht Dresden verhandelt seit Donnerstag gegen zwei mutmaßliche Rädelsführer sowie drei Mitglieder der Hooligan-Truppe "Starke Jugend", die von der Anklage als kriminelle Vereinigung eingestuft wird.

Elias W. (19, l.) und Maurice A. (24) am Donnerstagmorgen.
Elias W. (19, l.) und Maurice A. (24) am Donnerstagmorgen.  © Bildmontage: Peter Schulze

Die "Starke Jugend" wurde bereits 2020 als Ultra-Nachwuchstrupp aus dem Umfeld des Drittligavereins gegründet. Allerdings wurde sie 2022 "neu strukturiert", wie der Staatsanwalt verlas.

Dabei agierten dann Paul B. (23) und Pascal Marvin P. (23) als Rädelsführer. Der Pflegefachkraft-Azubi und der Fußbodenveredler führten sozusagen ihre Anhänger in die Schlacht. "Feindliche" Fußballanhänger wurden gezielt gesucht, massiv vermöbelt und ihrer Fan-Schals oder Trikots beraubt.

Wahlweise wurde "Rache" dafür genommen, wenn Aufkleber von den Veilchenblauen von Laternenmasten gekratzt wurden. In eigenen Chats wurden Maßnahmen abgesprochen, ausgewertet und organisiert.

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Um die "Starke Jugend" schlagkräftig zu halten, wurde regelmäßig Kraftsport absolviert. Wer nicht erschien, musste mit Sanktionen rechnen.

Kurierfahrer Maurice A. (24) rekrutierte den Nachwuchs. Verfahrenstechnologe Elias W. (19) gab den Kassenwart. Paul B. hatte gar eine Wohnung samt Hausordnung organisiert. Jedes Mitglied zahlte 10 Euro "Miete". Schüler Paul H. (18) war laut Anklage "einfaches" Mitglied.

Opfer wurden teilweise erheblich verletzt

Paul H. (18, l.), Pascal Marvin P. (23, M.) und Paul B. (23) auf dem Weg ins Gericht.
Paul H. (18, l.), Pascal Marvin P. (23, M.) und Paul B. (23) auf dem Weg ins Gericht.  © Bildmontage: Peter Schulze

Oft in Überzahl griffen die Schläger ihre Opfer an. So im Mai 2022 drei Fans von Werder Bremen in Aue, als die ein Pub verließen. In Würzburg stürmten die "Erzgebirgs-Fans" aus einem Transporter, als ein vermeintlicher Würzburg-Fan an der Ampel stehend entdeckt wurde.

In Schneeberg "kontrollierte" die Truppe, vermummt und mit Quarzhandschuhen, drei Jungs, die sie als Feind von Aue ausgemacht hatten. Nach der "Kontrolle der Personalien" durften die Opfer weiterziehen. Dafür wurden in einem Lehrlingswohnheim in Schneeberg Dynamo-Fans vermutet und immer wieder angegriffen und beschimpft.

In Zwickau wurden vermeintliche Fans mit dem Schlachtruf "Schnappt sie euch" verdroschen, einer davon sogar mit einem Klappstuhl. Sämtliche Opfer wurden dabei zum Teil erheblich verletzt, erlitten Nasenbeinbrüche, verloren Zähne, kamen ins Krankenhaus.

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Vor einem Jahr dann rückten über 100 Polizisten in Aue und Umgebung zu Razzien aus, drei Beschuldigte kamen sogar in U-Haft. Hinter Gitter sitzen derzeit Paul B. und Pascal Marvin P. immer noch.

Die Staatsschutzkammer hat nun 37 Verhandlungstage geplant, um eventuell im November Urteile fällen zu können. Bislang äußerten sich einige Angeklagte nur im Ermittlungsverfahren zu den Vorwürfen. Nun will die Kammer Zeugen hören. Der Prozess wird fortgesetzt.

Titelfoto: Bildmontage: Peter Schulze

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