Schach-Organisator soll mehr als 69.000 Euro abgezockt haben

Dresden - Schachmatt für den Organisator der Meisterschaften im Brettspiel? Mathematiker und Pädagogik-Dozent Dr. Dirk J. (66) soll am Deutschen Schachbund vorbei mehr als 69.000 Euro abgezockt haben. Nun ist Prozess am Amtsgericht Dresden wegen Bestechlichkeit und Untreue. Weil Gattin Martina (63) davon partizipiert haben soll, ist sie wegen Geldwäsche dran.

Dr. Dirk J. (66) und seine Ehefrau Martina J. (63) auf dem Weg in den Gerichtssaal.
Dr. Dirk J. (66) und seine Ehefrau Martina J. (63) auf dem Weg in den Gerichtssaal.  © Thomas Türpe

Dirk J. organisierte für die Amateure ausgesprochen beliebte Meisterschaften.

"Das war ein totales Erfolgskonzept", referierte der Angeklagte in seinem stundenlangen Monolog. Mit dem "Orga-Team" buchte er Austragungshotels samt Wettkampfsälen und Verpflegung.

Es ist nicht unüblich, dass bei solchen Großbuchungen Rabatte eingeräumt werden.

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Doch in den "Nebenvereinbarungen", habe Dirk J. laut Anklage derlei Provisionen nicht an den Schachbund, sondern an einen eigenen Verein in Dresden zahlen lassen.

Davon wusste der Dachverband nichts, obendrein ist der Dresdner Verein nicht mal im Verband gelistet.

Der Fall flog 2018 auf, der Deutsche Schachbund klagt auf Rückzahlung

Die Schachwelt ist in Aufruhr. Der beliebte Dresdner Organisator von Wettkämpfen muss sich wegen Untreue und Bestechlichkeit verantworten.
Die Schachwelt ist in Aufruhr. Der beliebte Dresdner Organisator von Wettkämpfen muss sich wegen Untreue und Bestechlichkeit verantworten.  © 123RF

"Ich habe das Geld immer als Spende verstanden. Ziel des Vereins ist Kinder- und Jugendarbeit", so Dirk J. "Das macht der Schachverband nicht."

Seine Frau fungierte als Schatzmeisterin, stellte ihre Arbeit in Rechnung und kassierte laut Anklage über 5000 Euro ab.

"Das war aus meiner Sicht völlig in Ordnung", so die Gattin. "An Strafbarkeit habe ich nie gedacht."

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Im April 2018 flog der Fall intern auf, der Deutsche Schachverband trennte sich von Dirk J., das Finanzamt prüft seither, ob sein Verein überhaupt gemeinnützig ist. Der Dachverband klagt auf Rückzahlung.

Der Zivilprozess dazu ruht, bis der Strafprozess beendet ist. Urteil folgt.

Titelfoto: Montage: Thomas Türpe, 123RF

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