Von Piera Tomasella
Gießen - Als Erzieher in einer Kita soll er Kinder sexuell missbraucht und weit mehr als 100.000 kinderpornografische Dateien besessen haben: Vor dem Gießener Landgericht hat der Prozess gegen einen Angeklagten (34) begonnen.
Am ersten Verhandlungstermin kündigte der Verteidiger des Mannes an, dass sich sein Mandant bei der kommenden Sitzung zu den Vorwürfen einlassen wolle. Der Angeklagte selbst schwieg, hörte mit auf dem Tisch verschränkten Händen zu.
Während der mutmaßlichen Taten arbeitete der Angeklagte als Betreuer sowie Erzieher in einer Kindertagesstätte in Grebenhain (Vogelsbergkreis).
Ihm wird unter anderem sexueller Missbrauch von schutzbefohlenen Kindern in insgesamt 25 Fällen vorgeworfen, wobei er darüber hinaus auch ein "entsprechendes Bildmaterial angefertigt" haben soll, wie die Staatsanwaltschaft vorab mitteilte.
Zudem soll er rund 150.000 kinderpornografische und etwa 33.000 jugendpornografische Bild- und Videodateien entsprechend besessen haben.
Oberstaatsanwalt Thomas Hauburger zeigte sich am Rande des Verhandlungstermins zuversichtlich.
"Es gibt entsprechende Bild- und Videodateien und wir werden sehen, wie der Angeklagte sich einlässt", sagte er. "Momentan besteht aus Sicht der Staatsanwaltschaft aufgrund der aufgeführten Beweismittel ein ganz klarer Tatverdacht." Die Taten sollen sich demnach überwiegend zwischen den Jahren 2023 und 2025 ereignet haben.
Polizei und Staatsanwaltschaft kamen dem Angeklagten via Darknet auf die Spur
Der Mann war am Nachmittag mit Handschellen in den Gerichtssaal geführt worden. Dabei verdeckte er zunächst sein Gesicht und trug eine Kapuze.
Während die Anklageschrift verlesen wurde, wurde die Öffentlichkeit aus dem Saal ausgeschlossen.
"Hier geht der Schutz der minderjährigen Kinder vor", so der Vorsitzende Richter. Die Verteidigung kündigte an, den Ausschluss der Öffentlichkeit auch für die Einlassung beantragen zu wollen.
Auf die Spur des Mannes waren Polizei und Staatsanwaltschaft durch Ermittlungen auf einschlägigen Portalen im Darknet gekommen.
Sie ermittelten zunächst wegen des Verdachts auf Besitz kinderpornografischer Inhalte gegen ihn.
Doch als sie nach einer Durchsuchung das Material sichteten, kam der Missbrauchsverdacht hinzu.
Im Februar wurde der ehemalige Erzieher dann in Untersuchungshaft genommen.