Leipzigerin schildert Martyrium durch ihren Ex: "Hab versucht mich zu wehren, hab geschrien, wollte ihn wegdrücken"
Leipzig - Etwa ein Jahr lang soll Susann P. (53) ein Martyrium durchlebt haben. Mehrfach soll ihr Ex-Partner sie zwischen Januar 2023 und Januar 2024 vergewaltigt, bedroht und sie auf Schritt und Tritt verfolgt haben. Am Mittwoch begann vor dem Leipziger Amtsgericht das Verfahren gegen Kamuran D. (40) wegen Vergewaltigung. Zu Prozessbeginn schilderte die Verkäuferin die traumatischen Vorfälle, die ihr widerfahren sein sollen.
Vier Fälle wirft die Staatsanwaltschaft dem Kurden vor, die sich zwischen Januar 2023 und Dezember desselben Jahres ereignet haben sollen.
Wie Susann P. schilderte, hatten sich die beiden 2022 kennengelernt. Er habe sie bei ihrer Arbeit in einem Leipziger Geschäft angesprochen, anschließend hätten sich die beiden hin und wieder getroffen. Die Kommunikation sei zunächst mit einem Übersetzungsprogramm erfolgt. "Wir haben uns gut unterhalten, gut verstanden. Er war sympathisch", so die 53-Jährige.
Weil P. zu diesem Zeitpunkt noch bei ihrem damaligen Verlobten lebte, fanden die Treffen zunächst heimlich statt. Im Januar 2023 zog sie schließlich aus, lebte mit Kamuran D. zunächst in einer Gartenlaube. Dort soll es schließlich auch zu der ersten Vergewaltigung gekommen sein.
Laut Anklageschrift gerieten Susann P. und Kamuran D. am 15. Februar in Streit, in deren Folge sie die Laube verlassen wollte. "Er hat mich festgehalten und mich auf die Couch gebracht." Während sie auf dem Rücken lag, habe er sie mit einer Hand nach unten gedrückt und mit der anderen ihre Hose runtergezogen. "Ich hab versucht mich zu wehren, hab geschrien, wollte ihn wegdrücken, hab gestrampelt. Er hat nicht reagiert."
Erst, als er seine Tat beendet hatte, habe D. sie schließlich weinend zurückgelassen. Aus Angst vor weiteren Attacken sei sie in dem Gartenhaus geblieben.
Vergewaltigungs-Prozess in Leipzig: "Wo sie war, war er nicht weit weg"
Susann P. sagte vor Gericht, dass es zu weit mehr als den vier genannten Vergewaltigungsfällen gekommen sein soll. Aus Angst, Kamuran D. werde ihren Eltern oder ihrem Ex-Mann etwas antun, habe sie alles getan, was ihr mutmaßlicher Peiniger von ihr verlangte.
Der Kurde, der in der Türkei einst ein Geschäft hatte, habe währenddessen noch immer an eine Beziehung geglaubt, wie auch sein Verteidiger sagte. So habe Kamuran D. Susann P. sogar zur türkischen Botschaft in Berlin mitgenommen, um dort seinen Ausweis für eine Hochzeit zu erhalten. Auch einen Termin auf dem Standesamt habe es gegeben.
Der 40-Jährige sei derweil immer weiter in einen Kontrollzwang verfallen, habe sie immer wieder verhört, angerufen und vor ihrem Laden gewartet, in dem er schließlich Hausverbot erhielt. "Er war eigentlich immer da, stand irgendwo und hat den Kontakt gesucht. Hat versucht, sie festzuhalten und auf sie einzureden. Wo sie war, war er nicht weit weg", sagte eine Freundin der Leipzigerin, die als Zeugin geladen war.
Im Mai 2023 zog Susann P. zusammen mit Kamuran D. in eine Wohnung in Gohlis, wo sich das Martyrium fortsetzte. "Einmal kurz vor Weihnachten war es besonders schlimm", schilderte sie.
Wieder habe D. sie verhört, weshalb sie gehen wollte. Als er sie festhielt, sei es zu einer "Schubserei" gekommen, wie sie sagte, in deren Folge sie mit dem Kopf zunächst gegen die Tür, dann gestürzt und auf den Boden geschlagen sei. Anschließend habe er sie wieder vergewaltigt.
Drei Jahre lang soll Kamuran D. Susann P. gestalkt haben
Erst als Kamuran D. im Januar 2024 an Tuberkulose erkrankte und ins Krankenhaus musste, habe Susann D. den Mut gefasst, aus ihrer Wohnung zu fliehen und bei ihrem Ex-Partner Zuflucht zu finden. Im Frauenhaus seien zu diesem Zeitpunkt keine Plätze frei gewesen.
Die Verkäuferin erwirkte ein Kontaktverbot gegen den Kurden, der ihr jedoch weiter nachstellte. Als sie ebenfalls ins Krankenhaus musste und er auch dort aufkreuzte, musste schließlich die Polizei einschreiten. Inzwischen laufe ein weiteres Verfahren gegen Kamuran D. wegen Nachstellens.
Drei Jahre soll der 40-Jährige Susann D. gestalkt, erst vor etwa vier Wochen damit aufgehört haben. Die 53-Jährige befinde sich inzwischen in psychologischer Behandlung. Weil sie täglich Medikamente nehme, habe sie mittlerweile mit Erinnerungslücken zu kämpfen. Auch während ihrer Aussage geriet sie immer wieder ins Stocken und musste pausieren.
Kamuran D. äußerte sich zum Prozessbeginn nicht. Das Verfahren wird am kommenden Mittwoch fortgesetzt.
Titelfoto: Silvio Bürger

