Messer-Attacke in Leipziger Club: Gast im Drogenrausch schlitzt Opfer das Gesicht auf

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Leipzig - Am Ende einer Partynacht vor knapp drei Jahren mussten die Mitarbeiter einer Diskothek in der Leipziger Innenstadt mehrere große Blutlachen vom Boden des Eingangsbereichs beseitigen. Zwei Gäste des Clubs "Königshaus" wurden in dieser Sommernacht schwer mit einem Messer verletzt. Einer von ihnen ist seither von einer 13 Zentimeter langen Narbe quer über das seitdem halbseitig taube Gesicht gezeichnet. Beide mussten notoperiert werden. Nun steht ein 29-Jähriger vor Gericht.

Am heutigen Montag begann die Verhandlung gegen Irbahim A. (29, M.) vor dem Leipziger Amtsgericht. Rechts neben ihm sein Anwalt Erkan Zünbül, links ein Dolmetscher.
Am heutigen Montag begann die Verhandlung gegen Irbahim A. (29, M.) vor dem Leipziger Amtsgericht. Rechts neben ihm sein Anwalt Erkan Zünbül, links ein Dolmetscher.  © Silvio Bürger

Die Staatsanwaltschaft wirft Ibrahim A. (29) schwere und gefährliche Körperverletzung sowie Bedrohung vor. Laut der Anklage soll der Syrer am 23. Juli 2023 gegen 4.45 Uhr in der Nähe der Garderobe zunächst eine Bierflasche geworfen, den vor dem Klo wartenden Islam I. (27) damit jedoch nicht getroffen haben. Dann soll er diesen zu Boden gerungen, ihn geschlagen und schließlich ein Küchenmesser gezogen und damit in Richtung des Kopfes von I. gestochen haben.

Als Michael B. (23) seinem angegriffenen Freund daraufhin zu Hilfe eilte und A. in den Würgegriff nahm, soll dieser weiterhin mit dem Messer um sich gestochen haben. Dabei traf er auch den 23-Jährigen unterhalb der Rippen sowie am Oberschenkel, in den die Klinge sieben Zentimeter tief eindrang. Schließlich entwaffneten Türsteher Ibrahim A. und fixierten ihn bis zum Eintreffen der Polizei.

Der Angeklagte ließ zu Beginn des Prozesses eine Erklärung durch seinen Anwalt verlesen. Demnach habe Ibrahim A. in jener Nacht bloß einen "schönen Abend mit seinen Freunden" erleben wollen. Bevor es in die Innenstadt ging, hätten sie zu dritt eine Flasche Whiskey getrunken.

Alkohol, Kokain, Hasch und Captagon konsumiert

Die Verhandlung dreht sich um die Geschehnisse im Club "Königshaus" in der Nacht vom 23. auf den 24. Juli 2023. In der Nähe der Garderobe soll Ibrahim A. zwei Gäste mit einem Messer angegriffen haben. Der Club hat mittlerweile neue Inhaber und einen neuen Namen. (Archiv)
Die Verhandlung dreht sich um die Geschehnisse im Club "Königshaus" in der Nacht vom 23. auf den 24. Juli 2023. In der Nähe der Garderobe soll Ibrahim A. zwei Gäste mit einem Messer angegriffen haben. Der Club hat mittlerweile neue Inhaber und einen neuen Namen. (Archiv)  © Ralf Seegers

Später habe er dann noch Hasch, Kokain und das Aufputschmittel Captagon konsumiert. Plötzlich hätte dann einer seiner Freunde vor ihm gestanden, mit geschwollenem Gesicht und erzählt, dass es draußen Stress gebe. Sie hätten den Club daraufhin verlassen wollen. Bereits auf dem Weg zum Ausgang habe er das Messer gezogen und die Flasche auf den Boden geworfen, um sich "Platz zu machen".

Dann hätten ihn plötzlich zwei fremde Männer angegriffen und zu Boden gebracht, heißt es in der Erklärung des Angeklagten. Ibrahim A. habe daraufhin den Überblick verloren, sei sich aber sicher, keine "bewussten Stich- oder Schnittbewegungen" ausgeführt zu haben.

Die Männer hätten ihn gewürgt, er habe zweimal das Bewusstsein verloren und gedacht, dass er diese Nacht nicht überleben würde. "Die Erinnerungen belasten mich bis heute", so der Angeklagte. "Dass Menschen verletzt wurden, bedauere ich sehr."

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Die Frage danach, warum er das Messer überhaupt mitgenommen hatte, ließ A. unbeantwortet.

Michael B: "Er wollte ihn umbringen"

Zwar gibt es zahlreiche Videos von Überwachungskameras aus dem Inneren des Clubs, jedoch zeigt keines davon die Tat an sich.

Die Darstellung der beiden Opfer Michael B. und Islam. I weicht deutlich von der des Angeklagten ab: "Er wollte ihn umbringen, zu 100 Prozent", gab B. noch in der Nacht gegenüber der Polizei an. "Er wollte direkt in seinem Kopf stechen. Für mich war das versuchter Mord."

Anders als der Mann auf der Anklagebank behaupten beide Opfer, in jener Nacht weder Alkohol noch Drogen genommen zu haben. "Ich habe ihm verziehen, über den Rest soll Gott urteilen", sagte Michael B. am Montag bevor er den Zeugenstand verließ.

Noch mindestens zwei weitere Verhandlungstermine sind angesetzt, ein Urteil wird gegen Mitte November erwartet.

Titelfoto: Silvio Bürger

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