Millionenbetrüger vor Gericht: Er ist der bisher größte Fang von Sachsens Cybercrime-Ermittlern

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Leipzig - Sie machen aus der Gier und Leichtgläubigkeit der Menschen ein Millionen-Geschäft: Finanzbetrüger, die mit Fake-Portalen für Wertpapier-, Devisen- und Krypto-Handel gutgläubigen Anlegern die Konten leeren. Eine globale Mafia, deren Köpfe für die hiesige Justiz schwer verfolgbar sind. Doch jetzt haben sächsische Cybercrime-Ermittler einen der mutmaßlichen Bosse vor Gericht gebracht.

Der mutmaßliche Millionenbetrüger Adam K. (41), hier mit zwei seiner vier Anwälte, verbirgt vor Gericht sein Gesicht.
Der mutmaßliche Millionenbetrüger Adam K. (41), hier mit zwei seiner vier Anwälte, verbirgt vor Gericht sein Gesicht.  © Ralf Seegers

Adam K. (41) ist ein eher kleiner Mann mit raspelkurzem Haar und Brille. Bereits seit Juni 2024 ist er in Untersuchungshaft. Zuerst in Montenegro, wo der mutmaßliche Anlagebetrüger mit internationalem Haftbefehl des Amtsgerichts Dresden festgenommen wurde, seit seiner Auslieferung im Januar in Sachsen.

Der Mann, der aus dem Nahen Osten stammt, sagte zum Prozessauftakt am Leipziger Landgericht kein Wort. Er wolle nur endlich wieder in Freiheit kommen, zurück zu seiner Frau und den drei Kindern, wie seine aus vier (!) Anwälten bestehende Verteidigung erklärte.

Doch bis dahin dürfte noch einige Zeit vergehen. Denn den Ermittlungen der sächsischen Generalstaatsanwaltschaft zufolge ist Adam K. einer der führenden Köpfe einer weltweit agierenden Anlagebetrugs-Mafia, die insgesamt 42 betrügerische Plattformen im Internet betrieben und darüber 65 Millionen Euro von Anlegern abgezockt haben soll.

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Sieben dieser Portale - darunter "Bitcoin-Convert", "Blackstone500" und "Redrock500" - zielten auf den deutschsprachigen Markt ab. Laut Anklage betreute Adam K. in dem wie ein Konzern organisierten Betrugsnetzwerk mit Filialen in Georgien, Israel und auf dem Balkan als Chefmanager eben diese Portale.

Ankläger und Verteidigung wollen 'dealen'

Georgiens Hauptstadt Tiflis ist einer der Orte, von denen aus die Anlagebetrug-Mafia agiert.
Georgiens Hauptstadt Tiflis ist einer der Orte, von denen aus die Anlagebetrug-Mafia agiert.  © Ulf Mauder/dpa

Zudem soll er in zahlreichen Call-Centern ein Heer an "Brokern" befehligt haben, die arglosen Anlegern mit hohen Gewinnversprechen telefonisch das Geld aus der Tasche zogen - darunter viele in Sachsen.

Die Anklage listet für den Zeitraum von April 2020 bis November 2022 einen Vermögensschaden von 4,91 Millionen US-Dollar (entspricht 4,17 Millionen Euro) auf, den allein Adam K. mit seinem Handeln verursacht haben soll.

Vor einer möglichen Aussage wollen sich alle Beteiligten zu "Verständigungsgesprächen" treffen. Sowohl Ankläger als auch Verteidiger hatten im Vorfeld bereits Interesse bekundet, das auf 592 angeklagten Betrugs-Fällen basierende XXL-Verfahren mit einem "Deal" schnell zu beenden.

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Der Generalstaatsanwaltschaft schwebt demnach für ein glaubhaftes Geständnis eine Haftstrafe zwischen sechs und knapp sieben Jahren vor, der Verteidigung zwischen viereinhalb und fünf Jahren.

Titelfoto: Ralf Seegers

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