Prozess gegen mutmaßliche Betrüger-Bande aus Sachsen: Falsches Gebäude, Treppensturz und ein Fake-Bart

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Leipzig - Eigentlich sollte vor dem Landgericht Leipzig am Mittwochvormittag der Prozessauftakt gegen eine mutmaßliche Betrügerbande erfolgen. Gleich mehrere unvorhersehbare äußere Umstände stellten die 3. Strafkammer dabei jedoch vor Hürden, unter denen ein vermeintlich angeklebter Rauschebart noch die geringste darstellte.

Der Angeklagte Rolf F. erschien mit Hut, Sonnenbrille und merkwürdig voluminösem Rauschebart.
Der Angeklagte Rolf F. erschien mit Hut, Sonnenbrille und merkwürdig voluminösem Rauschebart.  © Silvio Bürger

Zu Beginn musste der Vorsitzende Richter Bernd Gicklhorn zunächst feststellen, dass nur einer von drei Angeklagten erschienen war. Auch mehrere Zeugen hatten sich krankheitsbedingt entschuldigen lassen.

Nach einem kurzen Telefonat stellte sich heraus, dass zumindest Jean F., Sohn des ebenfalls angeklagten Rolf F., seiner Ladung noch folgen werde, wenn auch mit einer saftigen Verspätung von knapp 45 Minuten.

Seiner Verteidigerin zufolge hatte er schlichtweg das falsche Gerichtsgebäude angesteuert - kann ja mal passieren.

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Beim Angeklagten Frank T. gestaltete sich die Sache dann etwas schwieriger. Laut einem ärztlichen Attest sei es T. aufgrund einer kürzlich erfolgten Operation derzeit nicht möglich, die Reise nach Leipzig anzutreten.

Wegen der Nachwirkungen eines Treppensturzes sei er daher laut seinem Arzt noch mindestens vier Wochen lang nicht verhandlungsfähig.

Betrug mit manipulierten Wohnmobilen

Der Angeklagte Jean F. kam deutlich zu spät, da er zunächst das falsche Gerichtsgebäude aufgesucht hatte.
Der Angeklagte Jean F. kam deutlich zu spät, da er zunächst das falsche Gerichtsgebäude aufgesucht hatte.  © Silvio Bürger

Die Staatsanwaltschaft wirft den drei Angeklagten gewerbsmäßigen Betrug vor. Sie sollen von April 2019 bis Februar 2022 mit dem in Nordsachsen ansässigen Unternehmen "Eurocamp" gebrauchte Wohnmobile in den Benelux-Ländern angekauft und zum Weiterverkauf nach Deutschland gebracht haben.

Während der Überführung sollen die Camper jedoch einen Zwischenstopp in einer Werkstatt in Belgien eingelegt haben, wo die Kilometerzähler der Fahrzeuge in den Steuergeräten manipuliert und nach unten korrigiert wurden. Auf Basis dieser gefälschten Kilometerstände sollen dann in Deutschland offizielle TÜV-Berichte und neue Fahrzeugpapiere ausgestellt worden sein, um die Wohnmobile anschließend über Onlineportale zum Verkauf anzubieten.

Teils sollen Käufern zudem weitere Mängel, wie etwa frühere Unfälle der Wohnmobile, verschwiegen worden sein. Wie hoch der insgesamt entstandene Schaden ist, soll im Verlauf der Hauptverhandlung geklärt werden. Aktenkundig sind derzeit zumindest 16 Fälle.

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Zu guter Letzt richtete der Vorsitzende Richter noch ein paar Worte an den Angeklagten Rolf F., der immerhin pünktlich, dafür aber mit Hut, Sonnenbrille und merkwürdig voluminösem Rauschebart erschienen war: "Sofern es sich dabei um einen angeklebten Kunstbart handeln sollte, bitte ich Sie, diesen beim nächsten Termin abzulegen, damit Ihre Mimik wahrnehmen kann", so Gicklhorn.

Mit einem Urteil kann aktuell frühestens im Januar 2027 gerechnet werden.

Titelfoto: Silvio Bürger

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