Radfahrer in Leipzig absichtlich umgefahren: "Ich habe durchdrehende Reifen gehört"

Leipzig - In Leipzig stehen Konflikte zwischen Fahrrad- und Autofahrern auf der Tagesordnung - eines dieser Aufeinandertreffen endete für Johannes P.* (35) im vergangenen November im Krankenhaus. Nachdem ihn ein Audi im Osten der Messestadt vorsätzlich angefahren haben soll, fand nun der Prozess vor dem Leipziger Amtsgericht statt. Der Angeklagte wurde dabei jedoch freigesprochen.

Rechtsanwalt Stefan Costabel und der Angeklagte Marcel F. (47) beim Prozess vor dem Amtsgericht in Leipzig am Montag.  © Silvio Bürger

Angefangen hatte alles am 10. Oktober 2025 gegen 22.15 Uhr auf der Prager Straße. Johannes P. war gerade auf dem Weg nach Hause und fuhr mit seinem Rad stadteinwärts, als der Angeklagte Marcel F. (47) laut Staatsanwaltschaft mit seinem dunklen Audi A3 aus der Güntzstraße kam, und auf die Prager Straße einbiegen wollte.

Um nicht mit dem Auto zusammenzustoßen, hatte P. laut eigener Aussage mit seinem Rad eine Vollbremsung machen müssen. Sauer über dieses Verhalten habe er dem Fahrer des Wagens an der nächsten Kreuzung durch das offene Seitenfenster etwas zugerufen, bevor er dann in die Kregelstraße abbog. Kurz danach sei der Audi dann "haarscharf" an ihm vorbeigerast, sodass er ins Straucheln gekommen sei.

An der nächsten Ampel beobachten zwei Zeugen wenig später, wie ein Radfahrer im Vorbeifahren auf den Außenspiegel eines Autos schlägt. Danach geriet die Situation komplett außer Kontrolle.

Anzeige

Zeugen beobachten Eskalation

An dieser Stelle auf der Prager Straße nahm das Unheil am 10. Oktober vergangenen Jahres seinen Anfang.  © Silvio Bürger

Die beiden Zeugen beobachteten, wie der Radfahrer die Kreuzung überquerte und dabei die Seite wechselte - dicht hinter ihm der dunkle Audi.

"Ich habe durchdrehende Reifen gehört", erinnerte sich P. zurück. Dann habe ihn das Auto erfasst, er sei auf die Motorhaube gestürzt und schließlich auf dem Gehweg gelandet.

P. wurde verletzt ins Krankenhaus gebracht, gezeichnet von mehreren Schürfwunden und Hämatomen. Er war zwei Wochen arbeitsunfähig.

Gerichtsprozesse Leipzig Prozess um versuchten Mord in Leipziger Waschsalon: Urteil gegen 19-Jährigen gefallen

Der Audi raste nach dem Crash davon. Ein Zeuge nahm die Verfolgung auf. Bereits gegen 22.45 Uhr fand die Besatzung eines Streifenwagens das zur Fahndung ausgeschriebene Fahrzeug, die Motorhaube war noch warm. Am Kotflügel waren frische Kratzer.

Die Beamten klingelten beim Fahrzeughalter Marcel F. und vernahmen ihn als Zeugen, obwohl er zu diesem Zeitpunkt schon als Beschuldigter galt.

Staatsanwaltschaft fordert Haftstrafe

An der Kreuzung Kregelstraße/ Stötteritzer Straße wird aktuell gebaut.  © Silvio Bürger

Die Staatsanwaltschaft erkannte in Marcel F. den Täter und forderte eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und sieben Monaten. Mit einbezogen wurde eine Bewährungsstrafe, die der Angeklagte zuvor dafür erhalten hatte, dass er bei einem Fußballspiel die Beherrschung verloren und einen Polizisten attackiert hatte.

Die Verteidigung plädierte hingegen auf einen Freispruch, da der Täter durch die Zeugen nicht eindeutig identifiziert werden konnte. Zwar habe der Geschädigte den Angeklagten vor Gericht wieder erkannt, P. hatte jedoch zuvor über seinen Anwalt Einsicht in die Ermittlungsakte bekommen - darin befand sich auch ein Foto des Angeklagten. F. selbst äußerte sich nicht.

Das Gericht sprach den Angeklagten schließlich frei. "Wir konnten nicht zweifelsfrei klären, wer am Steuer saß", so die Vorsitzende Richterin Bettina Zander. Durch den Freispruch bekommt er nicht nur seinen Führerschein zurück, sondern auch eine Entschädigung für den sechsmonatigen Entzug der Fahrerlaubnis.

* Name geändert

Mehr zum Thema Gerichtsprozesse Leipzig: