Mordfall Fabian (†8): Vater und Angeklagte sollen am Tag des Verschwindens noch telefoniert haben
Von Christopher Hirsch
Rostock - Am dritten Verhandlungstag im Prozess um den gewaltsamen Tod des achtjährigen Fabian aus Güstrow hat der zuständige Richter erneut den Fokus auf die zeitweilige Beziehung zwischen Fabians Vater und der des Mordes angeklagten 30-Jährigen gelegt.
"Ich möchte nur die Wahrheit wissen", sagte Holger Schütt, Vorsitzender Richter am Landgericht Rostock. Er erinnerte den Zeugen wiederholt an seine Pflicht, wahrheitsgemäß auszusagen.
Bei der Befragung ging es etwa darum, mit wie viel Geld Fabians Vater die Angeklagte während der Beziehung unterstützte. Im Vergleich zu abgespielten Chat-Nachrichten oder vorhergehenden Aussagen gegenüber der Polizei relativierte der Vater die finanzielle Unterstützung.
"Ich meinte das aber anders", sagte er etwa zu früheren Aussagen bei der Polizei. In den Audio-Nachrichten nach der Trennung von der Beschuldigten habe er sich einiges von der Seele geredet, schränkte der 35-Jährige außerdem ein.
Schütt wies während des Prozesstags zudem darauf hin, dass die Angeklagte am Tag von Fabians Verschwinden mehrmals nachfragte, was den Vater beschäftige, nachdem er Andeutungen gemacht, aber noch nicht verraten hatte, dass sein Sohn vermisst werde. Er habe sich nichts dabei gedacht, sagte der Vater im Verfahren zu dem Verhalten seiner Ex-Freundin.
Mordfall Fabian (†8): Kommunikation von Fabians Vater und Angeklagter im Fokus
Außerdem ging es um ein bestimmtes Telefonat zwischen den beiden am Tag des Verschwindens. Fabians Vater sagte, er könne sich nicht mehr erinnern, worum es dabei ging, obwohl er wochenlang darüber nachgedacht habe. Schütt sagte, wenn sein einziges Kind verschwinde, könnte er sich wahrscheinlich an jede Minute erinnern.
Anhand der im Prozess präsentierten Nachrichten wurde deutlich, wie der Vater und die Angeklagte auch nach der Trennung ausgiebig die Probleme der Beziehung diskutierten. "Sie drehen die Beziehung hin und her", sagte Schütt.
Dabei ging es wiederholt auch um das angespannte Verhältnis der Beschuldigten zur Familie von Fabians Vater. Demnach störte sie etwa, dass er für Absprachen den Sohn betreffend Kontakt mit der Mutter hielt.
Kurz vor Fabians Verschwinden hatten sich der Vater und die Angeklagte zeitweise wieder angenähert.
Die Staatsanwaltschaft wirft der deutschen Ex-Freundin des Vaters vor, den Jungen im Oktober vergangenen Jahres mit einem Messer getötet zu haben. Laut Anklage soll das Beziehungsende eine Rolle spielen. Dabei verwies die Staatsanwaltschaft auch auf die finanziellen Folgen für die Frau.
Erstmeldung, 5. Mai, 6.02 Uhr; aktualisiert um 14.24 Uhr.
Titelfoto: Fotomontage: Bernd Wüstneck/dpa, Polizeipräsidium Rostock

