Mädchen jahrelang von eigenem Opa missbraucht: 74-Jähriger kommt ins Gefängnis
Von Iris Leithold
Schwerin - Ein 74 Jahre alter Mann aus dem Schweriner Umland (Mecklenburg-Vorpommern) ist wegen schweren sexuellen Kindesmissbrauchs zu sieben Jahren und einem Monat Haft verurteilt worden.
Der Mann hatte gestanden, seine anfangs erst fünf oder sechs Jahre alte Enkelin zwischen 2015 und 2024 wiederholt missbraucht und zweimal auch vergewaltigt zu haben.
Am Landgericht Schwerin wurde er jetzt für 55 Fälle verurteilt. Dem ging eine Verständigung zwischen Staatsanwaltschaft, Verteidigung und Gericht voraus.
Dabei wird dem Angeklagten ein bestimmter Strafrahmen für ein umfassendes Geständnis angeboten. Durch sein Geständnis ersparte der Großvater seiner Enkelin eine Aussage vor Gericht.
Heraus kam die Sache, als sich das Opfer seinem Psychotherapeuten anvertraute. Das Mädchen hatte ab Juni 2025 drei Suizidversuche unternommen, wie der Vorsitzende Richter berichtete.
Der Großvater hatte dem Kind demnach in all den Jahren ein Schweigegebot auferlegt, das es aus Loyalität auch bis dahin eingehalten habe.
Die Enkelin habe ein gutes Verhältnis zu ihrem Großvater gehabt, sei ein "Opa-Kind" gewesen, so der Richter weiter. Der 74-Jährige habe mit seinen Taten ein funktionierendes Familiengefüge zerstört.
30.000 Euro Schmerzensgeld für das Opfer
Die Enkelin leide an den psychischen Folgen des Missbrauchs. "Sie ist noch heute in therapeutischer Behandlung und keiner weiß, wie lange noch."
Der Großvater zahlte dem Vorsitzenden Richter zufolge 30.000 Euro Schmerzensgeld an sein Opfer. Unmittelbar vor der Urteilsverkündung am Dienstag sagte er im Gericht über seinen Taten: "Ich schäme mich für das, was ich gemacht habe."
Er hoffe, dass seine Enkelin so schnell wie möglich gesund werde, mithilfe der Therapie in ihr normales Leben zurückfinden könne "und dass sie wieder ein glückliches Mädchen wird".
Normalerweise zieht TAG24 es vor, nicht über Suizide oder Suizidversuche zu berichten. Da der Vorfall durch das Gerichtsurteil aber von öffentlichen Interesse ist, hat sich die Redaktion für eine Berichterstattung entschieden.
Solltet Ihr selbst von Suizid-Gedanken betroffen sein, findet Ihr bei der Telefonseelsorge rund um die Uhr Ansprechpartner, natürlich auch anonym. Telefonseelsorge: 08001110111 oder 08001110222 oder 08001110116123.
Titelfoto: Annette Riedl/dpa

