Prozess um zerstückelte Leiche gestartet: Angeklagter schweigt
Von Iris Leithold
Schwerin/Hagenow - Weil er seine Lebensgefährtin im Dezember 2025 umgebracht und ihre Leiche zerstückelt haben soll, steht ein heute 38 Jahre alter Mann aus Hagenow (Landkreis Ludwigslust-Parchim) vor dem Landgericht Schwerin. Der Vorwurf lautet auf Mord aus Habgier.
Am ersten Tag des Mordprozesses gegen ihn schaut der gelernte Fleischer fast ununterbrochen auf seine Hände, die vor ihm auf dem Tisch liegen. Zum Auftakt des Mordprozesses verlas der Staatsanwalt die Anklageschrift mit grausigen Details.
Laut Staatsanwaltschaft soll der Angeklagte am 12. Dezember 2025 irgendwann zwischen 12.30 Uhr und 20.08 Uhr zu seiner Lebensgefährtin in deren Wohnung gegangen sein - in der Absicht, sie zu töten, wie der Staatsanwalt sagt.
Der Mann soll ihr "auf unbekannte Weise mit dem Leben nicht zu vereinbarende Verletzungen" beigebracht haben, weil sie sich geweigert habe, ihm weiteres Geld zu leihen.
Der Angeklagte sei zum Tatzeitpunkt in einer angespannten finanziellen Lage gewesen.
Was ist mit Jacqueline K. passiert?
Der Mann soll seine Lebensgefährtin nach ihrem Tod zerteilt haben, "indem er den Kopf, die Arme, die Beine und den Beckenbereich vom Rumpf trennte". Mit welchem Werkzeug das geschah, ist demnach unklar. Es wurde nie gefunden.
Nach Worten eines Gerichtsprechers hat der Angeklagte den Beruf eines Fleischers erlernt, war zuletzt aber in einer anderen Branche beschäftigt.
Der Angeklagte soll laut Staatsanwaltschaft die Leichenteile außer dem Rumpf in blaue Müllsäcke gestopft und im Auto der Frau zunächst zu seiner Wohnung gebracht haben.
Später soll er sie unter Gartenabfällen an einer öffentlichen Ablagestelle für Grünschnitt in Goldenbow (Landkreis Ludwigslust-Parchim), in unmittelbarer Nähe seines Elternhauses, versteckt haben.
Dort wurden sie am 2. Februar 2026 gefunden. Zuvor war wochenlang nach der vermissten Frau gesucht worden. Sie wurde nach damaligen Angaben der Polizei 49 Jahre alt.
Wie der Ablageort herausgefunden wurde, sagte der Staatsanwalt in seiner Anklage nicht. Am 9. Januar war der Tatverdächtige wegen des Verdachts eines Tötungsdeliktes verhaftet worden. Seither sitzt er in Untersuchungshaft.
Angeklagter schweigt am 1. Prozesstag
Die Angehörigen des Opfers erhoffen sich vom Prozess Klarheit darüber, was Jacqueline K. an jenem Dezember-Nachmittag genau zugestoßen ist. Am ersten Prozesstag sind die sechs Nebenkläger - alles Geschwister des Opfers - in den Gerichtssaal gekommen.
Der Anwalt des Angeklagten sagte in der Verhandlung auf eine entsprechende Frage der Vorsitzenden Richterin, sein Mandant äußere sich nicht. Damit war der erste Prozesstag nach nicht einmal einer Viertelstunde zu Ende.
In der ganzen Tragödie ging es letztlich um vergleichsweise kleine Geldbeträge. Der Staatsanwalt sagte, der Angeklagte habe seine Lebensgefährtin getötet, um Zugang zu ihren Konten zu bekommen. Das dort vorhandene Geld wollte er demnach für sich verwenden.
Mit der Girokarte des Opfers soll der Mann in den Tagen nach dem Tod der Frau insgesamt 1500 Euro abgehoben haben.
Der Prozess könnte Monate dauern. Das Gericht hat 18 Verhandlungstermine mit vielen Zeugen angesetzt. Außerdem sollen ein psychiatrischer Sachverständiger und zwei rechtsmedizinische Sachverständige gehört werden. Die Termine reichen bis zum 10. Februar.
Erstmeldung: 12.04 Uhr, zuletzt aktualisiert: 16.16 Uhr.
Titelfoto: Jens Büttner/dpa

