Boateng geht mit neuem Anwalt gegen Verurteilung vor: Das ist der Grund

München - Vom Amtsgericht München wurde Jérôme Boateng (33) wegen vorsätzlicher Körperverletzung an seiner früheren Lebensgefährtin zu einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je 30.000 Euro - also 1,8 Millionen Euro - verurteilt. Gegen das Urteil legte der Fußball-Profi Berufung ein und tauschte gleichzeitig seinen Anwalt aus.

Jerome Boateng (33, r.) mit seinem ehemaligen Anwalt Kai Walden bei der ersten Verhandlung im Amtsgericht München.
Jerome Boateng (33, r.) mit seinem ehemaligen Anwalt Kai Walden bei der ersten Verhandlung im Amtsgericht München.  © Peter Kneffel/dpa

Vorbestraft ist Boateng mit der Verurteilung nicht, eine Vorstrafe gibt es erst ab 90 Tagessätzen. Und ums Geld dürfte es dem langjährigen Stammspieler des FC Bayern München auch nicht gehen.

Für Boateng geht es um etwas viel Wertvolleres: sein Image!

Das Gericht sah es schließlich als erwiesen an, dass der 1,90 Meter große Innenverteidiger seiner ehemaligen Lebensgefährtin im Karibikurlaub einen Faustschlag ins Gesicht verpasst hatte. Staatsanwältin Stefanie Eckert bezeichnete die Frau als "Opfer häuslicher Gewalt".

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Äußerlich ließ sich Boateng bei der Urteilsverkündung und auch danach nichts anmerken. Doch ihm dürfte sicherlich bewusst gewesen sein, dass damit sein Saubermann-Ruf dahin ist.

Als Idol, Vorbild und Werbegesicht taugt er mit dieser Verurteilung nicht mehr. Kein Unternehmen möchte mit einem Frauenschläger assoziiert werden.

Und auch im privaten Umfeld wenden sich die Menschen von dem Weltmeister ab: Sein Halbbruder Kevin-Prince Boateng (34) möchte nichts mehr mit ihm zu tun haben. "Ich habe mich schon vor längerer Zeit von Jérôme distanziert", sagte der derzeitig bei Hertha BSC unter Vertrag stehende Mittelfeldspieler jüngst. "Ich verachte Gewalt gegen Frauen. Ich identifiziere mich nicht mit den Taten meines Bruders."

Auch härtere Strafe für Boateng möglich: Staatsanwaltschaft und Nebenklage legen Berufung ein

Die Berufung wird vor dem Landgericht München verhandelt werden. Boateng tauscht dafür seinen bisherigen Anwalt, Kai Walden, aus, der zwar Freispruch für seinen Mandanten gefordert hatte, aber vor dem Amtsgericht damit gescheitert war.

Nun will der 33-Jährige mit einem neuen Anwalt an seiner Seite Schadenbegrenzung betreiben.

Doch das könnte auch nach hinten losgehen! Denn auch Staatsanwaltschaft und Nebenklage legten Berufung ein. Sie wollen ein härteres Urteil gegen den Fußball-Profi erwirken.

Titelfoto: Peter Kneffel/dpa

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