Kinder vor Webcam vergewaltigt und gequält: Angeklagter legt Teilgeständnis ab

München/Manila - Kinder werden vor der Webcam vergewaltigt und gequält - und am anderen Ende der Welt schaut jemand zu und gibt Anweisungen, den Kleinen noch mehr Gewalt anzutun. Das Landgericht München I befasst sich an diesem Donnerstag (9.30 Uhr) mit dem schockierenden Verbrechen des live ins Netz übertragenen sexuellen Kindesmissbrauchs.

Die Kinder werden vor laufender Kamera missbraucht, während Täter am anderen Ende der Welt Anweisungen geben. (Symbolbild)
Die Kinder werden vor laufender Kamera missbraucht, während Täter am anderen Ende der Welt Anweisungen geben. (Symbolbild)  © Patrick Pleul/ZB/dpa

"Bei dem Phänomen handelt es sich um das sogenannte Live-Streaming", teilt das Bundeskriminalamt mit. "Hierbei werden Opfer sexuell missbraucht, während der zahlende Kunde das Geschehen im Ausland mittels Webcam live beobachten und sowohl dem Täter als auch dem Opfer Handlungsanweisungen geben kann."

Konkret geht es vor dem Landgericht um Vorwürfe gegen einen 40-Jährigen aus München, der immer wieder per Skype beim Missbrauch und der Vergewaltigung von Kindern zugesehen und den Tätern detaillierte Anweisungen gegeben haben soll.

Er ist wegen Anstiftung zur Vergewaltigung und zum schweren sexuellen Missbrauch von Kindern angeklagt.

Die Chats verliefen laut der ermittelnden, bei der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg ansässigen Zentralstelle Cybercrime oft auf Englisch, bezahlt wurde in US-Dollar. In mindestens einem Fall soll eine Frau, der der Angeklagte Anweisungen zum Missbrauch gab, auf den Philippinen gelebt haben.

Einen Zusammenhang mit den großen Missbrauchskomplexen Münster oder Bergisch Gladbach sahen die Ermittler nicht.

Philippinen sind Hotspot für Kindesmissbrauch über Live-Stream

Das Landgericht München I befasst sich an diesem Donnerstag mit dem schockierenden Verbrechen des live ins Netz übertragenen sexuellen Kindesmissbrauchs.
Das Landgericht München I befasst sich an diesem Donnerstag mit dem schockierenden Verbrechen des live ins Netz übertragenen sexuellen Kindesmissbrauchs.  © Sven Hoppe/dpa

Die Philippinen sind laut BKA ein Hotspot für den Missbrauch von Kindern und ihre Prostitution über Live-Stream: "Diese Tatbegehung ist insbesondere auf den Philippinen sehr verbreitet."

Das Kinderhilfswerk "terre des hommes" in den Niederlanden begann schon vor geraumer Zeit mit der Entwicklung des Projektes "Sweetie 2.0". Dabei sollte ein künstlich generierte Avatar dabei helfen, Täter aufzuspüren, die im Internet auf der Suche sind nach Webcam-Kinderprostitution.

2013 identifizierte das Kinderhilfswerk mit Hilfe des virtuellen Mädchens "Sweetie" die IP-Adressen von 1000 Tätern aus rund 70 Ländern und übergab sie an die jeweiligen nationalen Strafverfolgungsbehörden, was zu weltweiter Aufmerksamkeit auf diese spezielle Form des Kindesmissbrauchs und zu ersten Strafprozessen führte.

"Webcam-Kinderprostitution als Form des Missbrauchs von Kindern breitet sich global rasant aus", teilte das Hilfswerk schon 2015 mit. In jedem Moment seien weltweit 750.000 Täter online auf der Suche nach Minderjährigen.

Nach Angaben des Bundeskriminalamtes kommen diese zuschauenden und Anweisungen erteilenden Täter vor allem aus westlichen Staaten. "Die Täter nutzen dabei die vermeintliche Anonymität, um gegen bargeldlose Bezahlung Missbrauchshandlungen sehen beziehungsweise steuern zu können."

Die ausführenden Täter vor der Kamera seien dann auch durchaus manchmal Frauen. "Die Beweggründe dafür liegen oftmals auch in der wirtschaftlichen Situation."

Update, 14.11 Uhr: Kindesmissbrauch im Live-Stream: Angeklagter gesteht Videochats

Im Prozess um live ins Netz übertragenen Kindesmissbrauch hat der 40-jährige Angeklagte vor dem Landgericht München I ein Teilgeständnis abgelegt.

Über seine Verteidiger ließ der Mann zum Prozessauftakt am Donnerstag erklären, er habe Minderjährigen über Video-Chatplattformen bei sexuellen Handlungen zugesehen.

Er bestritt allerdings, Chatpartner für den Missbrauch an Kindern bezahlt zu haben.

Titelfoto: Patrick Pleul/ZB/dpa

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