Schwestern transplantieren Haare in illegaler Hinterhofklinik - ohne Betäubung!

Düsseldorf - In einer illegalen Klinik sollen in Düsseldorf reihenweise Haartransplantationen durch unqualifiziertes Personal vorgenommen worden sein. Erst als ein Patient kollabierte und mit dem Notarzt auch die Polizei erschien, fand das Treiben ein Ende.

Den 29- und 36-jährigen Schwestern wird gefährliche Körperverletzung und Betrug vorgeworfen. (Symbolbild)
Den 29- und 36-jährigen Schwestern wird gefährliche Körperverletzung und Betrug vorgeworfen. (Symbolbild)  © Volker Hartmann/dpa

Seit Montag müssen sich zwei 29 und 36 Jahre alte Schwestern vor dem Düsseldorfer Amtsgericht verantworten.

Sie sollen als Ärztin und Assistentin die Operationen vorgenommen haben, obwohl ihnen laut Anklage die Qualifikation dazu fehlte. Auf der Anklagebank schwiegen die Schwestern und lauschten ihren Dolmetschern.

Als Opfer sagte ein 30-jähriger Doktorand aus Trier aus: Sein Friseur in Trier habe ihm die Klinik empfohlen. Schließlich sei er an einem Freitag im vergangenen April zur Behandlung nach Düsseldorf gereist. "Das hat fünf bis sechs Stunden gedauert. Die letzten zwei Stunden waren pure Folter. Die Schmerzen waren extrem."

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Er sei schließlich bewusstlos geworden. "Mit einer Infusion im Arm bin ich wieder aufgewacht", berichtete er. Er habe starke Kopfschmerzen und schlimmste Magenschmerzen gehabt und sich ständig Erbrechen müssen.

Als er am nächsten Tag erneut in die Klinik musste, sei er dort wieder bewusstlos geworden. Sein Freund, der ihn begleitet habe, habe schließlich den Notarzt gerufen.

Räume durften gar nicht als Arztpraxis oder Klinik genutzt werden

Die Schwestern hatten die illegalen Eingriffe in einer Hinterhofklinik durchgeführt. (Symbolbild)
Die Schwestern hatten die illegalen Eingriffe in einer Hinterhofklinik durchgeführt. (Symbolbild)  © Oliver Berg/dpa

Ein 54-jähriger Kaufmann aus Essen berichtete, sein Unternehmen habe mehrere Räume an die Klinik untervermietet. "Das lief über Istanbul. Es gab leider keinen schriftlichen Mietvertrag. Wegen Corona konnten die nicht hierher kommen." Die Räume dürften gar nicht als Arztpraxis oder Klinik genutzt werden: "Dort sollten nur die Vorgespräche stattfinden. Die Kunden sollten dann in die Klinik in die Türkei geschickt werden."

Den angeklagten Schwestern wird gefährliche Körperverletzung, Betrug und Verstoß gegen das Heilpraktikergesetz vorgeworfen.

Die Anklage führt drei Geschädigte auf. Über die Risiken des 1000 bis 2000 Euro teuren Eingriffs sollen die Männer nicht aufgeklärt worden sein. Der Prozess wird fortgesetzt.

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Originalmeldung vom 12. September, 6.13 Uhr; zuletzt aktualisiert am 12. September, 16.15 Uhr

Titelfoto: Oliver Berg/dpa

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