Fußball-Trainer vor Gericht: Missbrauchte er Kinder für einen Reitstiefel-Fetisch?
Zwickau - Moralisch verwerflich. Aber auch strafbar? Um diese Frage geht es im Prozess um Matthias S. (62). Er soll als Trainer eines Fußballvereins Kinder und Jugendliche gezwungen haben, zu enge Reitstiefel zu tragen. Dabei hatte er sie gefilmt.
Matthias war Fußballtrainer in einem Verein aus dem Landkreis Zwickau. In den Sommerferien 2023 stellte er zwei Kinder (damals zwölf) und einen Jugendlichen (damals 16) zum Arbeitseinsatz an.
Das Bizarre: Bei dem Einsatz sollten sie unter anderem in einem Bach arbeiten - und viel zu kleine Reitstiefel tragen, in denen sie mehrfache Socken übereinander trugen - aus Sicherheitsgründen, so Matthias.
Offenbar hat der Disponent einen Fetisch für Kinder - und für Stiefel. Beim Ausziehen der Schuhe im Vereinsheim hatte er sie dann gefilmt.
Da die Geschädigten dabei viel Mühe hatten, bot Matthias ihnen an, dass sie sich hinter ihn setzen sollten. Bei dem Jugendlichen soll der Trainer während des Ausziehens der Stiefel sich in den Schritt gegriffen haben.
Während der Verhandlung am Amtsgericht Zwickau um sexuellen Missbrauch von Kindern und Schutzbefohlenen schwieg der Angeklagte zu den Vorwürfen, schüttelte jedoch mehrmals mit dem Kopf.
Die Staatsanwaltschaft gab zu, dass es sich hier um keinen klassischen Missbrauch handelt.
Aber: "Der Gesamtverlauf ist als sexuell konnotiert zu bewerten", so die Anklage. Sie forderte zwei Jahre auf Bewährung. Die Verteidigung plädierte für Freispruch. Das Urteil fällt am kommenden Montag.
Titelfoto: Robert Preuße
