Chemnitz - Sein Job ist es, Verbrechen aufzudecken und zu verhindern. Doch seit Dienstag steht der Chemnitzer Polizist F. (39) selbst vor Gericht. Bei einer Kontrolle soll der Beamte einen jungen Mann (22) geschlagen und rassistisch beleidigt haben. Beim Prozessauftakt stand Aussage gegen Aussage.
F. war seit 2023 in der Operativen Einsatzgruppe der Polizei tätig. Er war regelmäßig mit weiteren Ordnungshütern unterwegs, um im Chemnitzer Zentrum für Ruhe und Ordnung zu sorgen. Dabei war er nicht untätig: Ab 2019 hatte er über 3000 polizeiliche Feststellungen getroffen.
Laut Staatsanwalt Benjamin Pröger (37) brannten F. bei einer Routine-Kontrolle in der ALDI-Filiale in der Theaterstraße im Januar 2024 die Sicherungen durch. Dort soll er das Mitglied einer Gruppe zunächst geschlagen haben – "mit der rechten Faust ins Gesicht", so der Jurist.
Damit nicht genug: Als der Mann ihn zur Rede stellen wollte, soll der Ordnungshüter ihn rassistisch beleidigt haben. Zudem soll F. gegen das Opfer unter Angabe einer falschen Tatsache – das Opfer habe ihn angegriffen – ein Ermittlungsverfahren eingeleitet haben. Für den Polizisten geht es um viel: Bei einer Verurteilung wäre F. seinen Job endgültig los, suspendiert ist er bereits.
Prozess wird fortgesetzt
Beim Prozessauftakt berief sich F. auf Erinnerungslücken. Zudem sollen die rassistischen Worte nie gefallen sein. Sowohl das Opfer als auch Zeugen stützten jedoch die Version der Anklage. Aufnahmen einer Überwachungskamera zeigen zudem, dass es bei der Kontrolle eine Rangelei gab – eine Tonspur fehlte jedoch.
Als Zeichen der Versöhnung gaben sich F. und das Opfer die Hand: "Ich möchte mich hier persönlich noch bei Ihnen für die Unannehmlichkeiten entschuldigen", sagte F. Der Prozess wird fortgesetzt. Dann sollen Kollegen des Angeklagten aussagen.