Lössnitz/Aue-Bad Schlema - Von wegen Mundraub! Eine Frau hat im vergangenen Sommer in zwei Nächten insgesamt sieben Salatköpfe aus dem Hochbeet von Kristin Rott (37) geklaut. Jetzt hat das Amtsgericht Aue-Bad Schlema (Erzgebirge) den Salat: Zum Prozessauftakt wegen Grün-Klau glänzte die Diebin am Donnerstag durch Abwesenheit. Wegen ihrer Vorstrafen droht ihr nun sogar Knast.
"Die Dame kam durch die Hecke", erzählt Kristin. Eine Kamera nahm auf, wie Jana B. (50) in der Nacht zum 5. Juli 2025 das Lößnitzer Grundstück betrat und zwei Salatköpfe vom Hochbeet klaute, das Kristin mit ihrer Familie und Nachbarn betreibt. Noch am selben Tag erstattete sie Anzeige.
Damit nicht genug: In der Nacht zum 11. Juli kam der Langfinger wieder - und nahm diesmal die restlichen fünf Salatköpfe mit. Zudem riss die Tschechin weiteres Gemüse heraus, ohne es mitzunehmen. Der Stehlschaden wird mit rund 21 Euro veranschlagt - 3 Euro für jeden Salatkopf. "Das ist vergleichbar, wie wenn ich Lebensmittel aus dem Supermarkt entwende", erklärt Gerichtsdirektor Markus Colli (56).
Normalerweise gäbe es bei einer solchen Bagatelle einen Strafbefehl für den Übeltäter, ohne dass eine Gerichtsverhandlung anberaumt werden muss. "Allerdings ist die Angeklagte bereits mehrfach einschlägig vorgeahndet und stand zur Tatzeit unter Bewährung", so die Chemnitzer Oberstaatsanwältin Ingrid Burghart (62).
Neben den Hecken ist das Hochbeet nun durch einen Stacheldrahtzaun abgeschirmt
Kristin sollte bei der Verhandlung am Donnerstag als Zeugin aussagen, doch Jana B. erschien nicht. "Ohne Angeklagte können wir nicht verhandeln", sagte Richter Detlef Kramer (61).
Die Folge: Das Gerichtsverfahren wurde wegen des geringen Schadens in ein Strafbefehlverfahren umgewandelt und die Sozialhilfeempfängerin Jana B. zur Zahlung einer dreistelligen Geldstrafe verdonnert. Zahlt sie nicht, könnte im schlimmsten Fall sogar die frühere Bewährung widerrufen werden - dann müsste die Salat-Diebin ins Gefängnis.
Kristin hat seit dem Vorfall Vorsichtsmaßnahmen getroffen. Neben den Hecken ist das Hochbeet nun durch einen Stacheldrahtzaun abgeschirmt. Im Beet befinden sich mittlerweile wieder Salat, Möhren und Rote Beete. "Dieses Jahr können wir es auch selber essen", sagt sie mit einem Augenzwinkern.