Von Christiane Bosch
Hamburg - Eine wegen Mordes angeklagte 42-Jährige hat am ersten Prozesstag vor dem Landgericht Hamburg die tödlichen Messerstiche gegen ihren Ex-Partner gestanden.
"Es ist richtig, dass ich ihn mit dem Messer tödlich verletzt habe. Das ist der schlimmste Fehler meines Lebens und ich schäme mich", sagte die Ghanaerin in einer von ihren beiden Verteidigern verlesenen Einlassung.
Den Vorwurf, aus Habgier gehandelt und ihren von ihr getrennt lebenden Mann ausgeraubt zu haben, wies sie zurück. "Ich habe das nicht wegen Geld oder Eifersucht getan. Was ich getan habe, habe ich aus purer Verzweiflung getan."
Sie habe sich gefühlt, als sei sie in einem Käfig eingesperrt. Außerdem räumte sie ein, wegen der von ihr vermuteten Lügen und eines möglichen Doppellebens des 35-Jährigen bereits vor der Tat Tötungsfantasien gehabt zu haben.
Der Anklage zufolge soll die Frau im Februar dieses Jahres in ihrer Wohnung in Hamburg-Neuallermöhe ihren Ex-Partner mit zwei Messerstichen in den Hals zunächst schwer verletzt haben. Zuvor hätten die beiden Sex gehabt.
Der Mann habe eine wichtige Unterschrift für ein ausländerrechtliches Schreiben benötigt. Die Angeklagte habe diese Unterschrift zur Bedingung für den Sex gemacht.
Prozessbeginn in Hamburg: Angeklagte gesteht tödlichen Messerangriff auf Ex-Partner
Außerdem habe die Angeklagte versucht, dem 35-Jährigen eine orangefarbene Gewürzmischung zu geben, von der sie geglaubt habe, dass sie eine giftähnliche Wirkung habe. Die Substanz sei am Körper des Mannes gefunden worden. Ob und wie sie ihm verabreicht worden sei, konnte der Staatsanwalt nicht sagen.
Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Frau schließlich ein im Bett verstecktes Messer zog und dem nackten Mann zweimal in den Hals stach. Der Mann sei schwer verletzt aus dem Schlafzimmer geflüchtet und aus dem Küchenfenster in der ersten Etage gesprungen.
Währenddessen soll die Angeklagte ein Mobiltelefon, 30 Euro und zwei Bankkarten aus der Hosentasche des Mannes genommen und auf einem Schrank versteckt haben.
Der Mann überlebte den Angriff nicht. Er sei wenige Meter von dem Wohnhaus zusammengebrochen und noch am selben Tag im Krankenhaus gestorben. Die Frau wurde noch in der Wohnung festgenommen. Sie ist Mutter von drei Kindern, eines davon hatte sie gemeinsam mit dem 35-Jährigen.
Am ersten Prozesstag ließ die Angeklagte zudem verlesen, wie sie den Tag in Erinnerung hat und was in all den Jahren zwischen den Ehepartnern passiert war. Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt. Bis Mitte Oktober sind noch zehn Termine geplant.