Von Christopher Hirsch
Rostock - Am Landgericht Rostock ging der Prozess um den getöteten achtjährigen Fabian aus Güstrow am Freitag ab 9.30 Uhr in den mittlerweile 21. Verhandlungstag. Teils emotional hatte die Großmutter des Jungen ausgesagt. Fabian sei ein "aufgeweckter, lustiger" Junge gewesen, sagte die Oma mütterlicherseits.
Fabian habe aber auch seine "Zick-Phasen" gehabt, in denen er bockig gewesen sei. Vor etwa zwei Jahren sei er eine Zeit lang sehr auffällig gewesen und besonders schnell wütend geworden.
Damals habe er keinen Kontakt zu seinem Vater haben wollen. Dieser lebte getrennt von Fabians leiblicher Mutter und war in einer Beziehung mit der inzwischen wegen Mordverdachts Angeklagten.
Es sei etwas vorgefallen, sagte die Zeugin. Fabian habe ihr erzählt, sein Vater sei "böse" zur inzwischen Angeklagten gewesen, ohne weiter ins Detail zu gehen.
Bereits zuvor war im Prozess Thema, ob und in welchem Maße der Mann gegenüber der Angeklagten in der Beziehung gewalttätig war. Als Zeuge hatte der Vater entsprechende Vorwürfe zurückgewiesen.
Die Großmutter schilderte auch, wie sich Fabian und sein Vater später wieder annäherten. Dies passierte wohl, nachdem sich der Vater von der Angeklagten getrennt hatte. Demnach wollte der Sohn wieder zu seinem Vater und beide hätten miteinander Zeit verbracht.
Fall Fabian (†8): Anwalt äußert Zweifel am mutmaßlichen Tathergang
Zuvor hatte die Verteidigung der Angeklagten am 21. Prozesstag zahlreiche neue Beweisanregungen eingebracht. Der Rechtsanwalt Andreas Ohm stellte die von der Staatsanwaltschaft zugrunde gelegten Zeitabläufe am Tag der Tötung des Jungen sowie am Vortag infrage. Aus seiner Sicht gibt es etwa Zweifel daran, dass sich die Angeklagte an bestimmten Orten zu bestimmten Zeiten aufgehalten hat.
Daher sollte etwa ein Bewegungsprofil des Autos eines Zeugen erstellt werden, mit dem sich die Angeklagte unter anderem am Todestag Fabians traf.
Auch sollte ein Zeuge erneut zur Funkzellenauswertung aussagen, also zur Verortung etwa des Handys der Angeklagten anhand von Mobilfunkdaten.
Zudem sollen der Arbeitgeber und ein Kollege zum Tagesablauf von Fabians Vater am Tag des Verschwindens seines Sohnes vernommen werden. Eine weitere Anregung bezieht sich auf ein Fahrzeug, das dem auffälligen Pickup der Angeklagten ähneln und auch im Raum Güstrow unterwegs gewesen sein soll.
Fall Fabian (†8): Anregungen zunächst zurückgestellt
Das Gericht stellte die Anregungen am 21. Verhandlungstag am Freitag zunächst zurück. Die übrigen Verfahrensbeteiligten, etwa die Staatsanwaltschaft, sollten bis zum nächsten Verhandlungstag in rund zwei Wochen Gelegenheit zur Stellungnahme erhalten.
Die Staatsanwaltschaft wirft der angeklagten 30-Jährigen vor, Fabian am 10. Oktober 2025 an einem Teich bei Klein Upahl, etwa 15 Kilometer südlich von Güstrow, erstochen und den Leichnam anschließend in Brand gesetzt zu haben.
Das Motiv soll demnach mit ihrer Beziehung zu Fabians Vater und dem zeitweisen Ende zusammenhängen. Mitterweile sind die beiden laut eigener Aussage wieder zusammen.
Erstmeldung um 6.05 Uhr, aktualisiert um 14.30 Uhr.