Von Julian Degler
Karlstadt - Nach der gefährlichen Öffnung einer ICE-Tür bei Tempo 200 in Unterfranken sucht die Polizei weiter nach einem Täter. Die Notentriegelung der Tür sei beschädigt worden, sagte ein Sprecher der Bundespolizei. Einen Defekt schlossen nun auch die Ermittler aus.
Zuvor hatte schon die Deutsche Bahn (DB) eine technische Panne ausgeschlossen. Ob die Nothilfeeinrichtung gezielt oder versehentlich beschädigt wurde, sei jedoch weiterhin unklar. Einen "konkreten Tatverdächtigen" gebe es derzeit nicht.
Der Lokführer hatte den ICE 528 am Dienstagabend auf der Fahrt von München nach Dortmund gestoppt, nachdem sich im hinteren Zugteil eine Tür geöffnet hatte.
Der Zug blieb am Eingangsportal eines Tunnels bei Karlstadt (Landkreis Main-Spessart) stehen. An Bord waren 238 Reisende und acht DB-Mitarbeiter. Verletzt wurde niemand.
Die Beamten gehen davon aus, dass niemand den Zug nach dem Zwischenfall verlassen hat oder herausgefallen ist. Eine Suche nach Menschen und Gepäck bei Helligkeit am Tag danach blieb laut dem Sprecher "ohne Ergebnis". Vermisst werde auch niemand.
Passagiere im hinteren Zugabteil im Fokus
Noch in der Nacht hatte die Polizei die Personalien der gut 120 Passagiere aufgenommen, die im hinteren Zugteil gesessen hatten - und befragte diese nach Hinweisen und Beobachtungen.
Dass nur die Menschen im hinteren Zugteil als Zeugen oder Verdächtige in Betracht kommen, liegt daran, dass es zwei aneinandergekoppelte Zugteile waren, die nicht mit einem Durchgang verbunden waren. Während der Fahrt habe man also nicht von einem Zugteil in den anderen wechseln können.