Hetzjagd im Netz: Harmloser Autofahrer als "Kinderlocker" diffamiert

Sigmaringen - Eine vermeintliche Warnung vor einem "Kinderlocker" verbreitete sich am Montag in Sigmaringen wie ein Lauffeuer auf Social Media. Doch die polizeilichen Ermittlungen zeigen ein ganz anderes Bild. Den Urhebern der Posts drohen nun strafrechtliche Konsequenzen.

Die Polizei nahm die Vorwürfe sehr ernst und begann sofort mit den Ermittlungen. (Symbolfoto)
Die Polizei nahm die Vorwürfe sehr ernst und begann sofort mit den Ermittlungen. (Symbolfoto)  © Daniel Karmann/dpa

Gegen 17 Uhr meldete sich bei der Polizei Sigmaringen der erste besorgte Anrufer. Dieser teilte mit, dass im Wohngebiet Wachtelau ein Mann aus einem schwarzen Kombi heraus versucht haben soll, Kinder anzusprechen und in sein Auto zu locken.

Während die Beamten sofort mit den Ermittlungen begannen, nahm die Geschichte im Netz bereits eine gefährliche Eigendynamik an. Unbekannte verbreiteten Fotos des Mannes und seines Wagens inklusive des Kennzeichens und warnten eindringlich vor dem Unbekannten.

"Diese Meldung verbreitete sich wie ein Lauffeuer und sorgte dafür, dass beim Polizeirevier Sigmaringen zahlreiche Anrufe eingingen", berichtete die Polizei am Mittwoch.

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Es stellte sich heraus, dass der 47-jährige Autofahrer lediglich auf der Suche nach einer Adresse für einen privaten Kauf war. Da er die Hausnummer nicht finden konnte, sprach er im Bereich eines Spielplatzes eine Frau mit Kind an, um nach dem Weg zu fragen.

Der Vorwurf, nach dem der Mann aus Sigmaringen ein "Kinderlocker" sein soll, konnte sich nicht bestätigen. (Symbolfoto)
Der Vorwurf, nach dem der Mann aus Sigmaringen ein "Kinderlocker" sein soll, konnte sich nicht bestätigen. (Symbolfoto)  © Ralf Hirschberger/dpa-Zentralbild/dpa

Ruf des Mannes wurde geschädigt

"Angaben der Frau und eines weiteren Zeugen zufolge fuhr der Mann dorthin und tätigte den Kauf. Dass der Mann Kinder angesprochen oder angelockt haben soll, hat sich nicht bestätigt", hieß es in einer Mitteilung.

Für den Mann hat die voreilige "Warnung" im Netz jedoch fatale Folgen: Sein Ruf wurde laut Polizei geschädigt.

Die Beamten prüfen daher die Einleitung von Strafverfahren wegen übler Nachrede gegen diejenigen, die die Fotos und Falschmeldungen verbreitet haben.

Titelfoto: Bildmontage: Daniel Karmann/dpa, Ralf Hirschberger/dpa-Zentralbild/dpa

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