Von Dorothea Hülsmeier, Anne-Beatrice Clasmann, Jonas Reihl
Köln - In zwölf Bundesländern sind am Mittwoch in mehreren Städten Durchsuchungen bei mutmaßlichen Rechtsextremisten gestartet - ausgenommen sind Baden-Württemberg, Thüringen, Hamburg und Bremen.
Allein in NRW habe es demnach zehn Beschuldigte gegeben, hieß es aus Sicherheitskreisen. Sie seien alle deutsche Staatsbürger. Einer der Beschuldigten sei wegen einer anderen Angelegenheit bereits zuvor in Untersuchungshaft gekommen.
Insgesamt werde bundesweit 36 Personen die Bildung oder Mitgliedschaft in den kriminellen Vereinigungen "Jung und Stark" sowie "Deutsche Jugend voran" vorgeworfen, sagte eine Sprecherin der Generalbundesanwaltschaft in Karlsruhe gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa).
Es bestehe der Verdacht, dass die Beschuldigten herausgehobene Mitglieder der beiden Gruppierungen seien, heißt es in einer Mitteilung der Behörde. Den meisten Beschuldigten werde Rädelsführerschaft zur Last gelegt. Gegen acht Beschuldigte werde auch wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt.
Der jüngste Beschuldigte soll 16 Jahre alt sein. Es gebe nur Durchsuchungen, Festnahme seien keine geplant, sagte die Sprecherin.
Die Gruppen existieren nach Angaben der Bundesanwaltschaft seit Mitte 2024, sie seien bundesweit organisiert und haben in den Ländern Regionalgruppen. "Deutsche Jugend voran" trete bisweilen unter dem Namen "Neue Deutsche Welle" auf. Die Mitglieder vernetzten sich sowohl über soziale Medien als auch bei regelmäßigen Treffen. Dabei werde zu Gewalttaten gegen politische Gegner sowie gegen vermeintlich Pädophile aufgerufen.
"Einige Beschuldigte sollen dementsprechend Angehörige der linken Szene oder Personen angegriffen haben, die sie für pädophil hielten. Die Opfer wurden jeweils von mehreren Angreifern geschlagen und trugen nicht unerhebliche Verletzungen davon", hieß es.
Immer mehr Gewalttaten sehr junger Neonazis in ganz Deutschland
Seit 2024 häufen sich die Gewalttaten von teils sehr jungen Neonazis, etwa bei Angriffen auf Paraden zum Christopher Street Day, der den Rechten von lesbischen, schwulen und anderen queeren Menschen gewidmet ist.
Das Bundeskriminalamt (BKA) erklärte Mitte 2025: "Die Polizeibehörden aus Bund und Ländern beobachten seit etwa Mitte vergangenen Jahres, dass in der rechten Szene neue Jugendgruppen in Erscheinung getreten sind, die sich zunächst im virtuellen Raum gegründet haben." Diese träten inzwischen vermehrt durch Veranstaltungen, Störaktionen und Straftaten in Erscheinung.
Die größte dieser Gruppe war damals nach Angaben aus Sicherheitskreisen "Jung und Stark" mit einer Anhängerzahl im mittleren dreistelligen Bereich. Auch die Gruppe "Deutsche Jugend Voran" ist im Visier der Ermittler. Schätzungsweise mehr als hundert Menschen fühlen sich demnach dieser Gruppe zugehörig.
Weitere relevante Vereinigungen seien "Der Störtrupp" sowie die Gruppe "Letzte Verteidigungswelle". Mutmaßliche Angehörige der "Letzten Verteidigungswelle" stehen aktuell in Hamburg wegen mehrerer Gewalttaten vor Gericht.
Erstmeldung: 6. Mai, 7.09 Uhr; zuletzt aktualisiert: 6. Mai, 9.04 Uhr