Holocaust-Eklat in Kinosaal: Politik mit drastischer Forderung, doch es gibt ein Problem

Wiesbaden - Es war ein handfester Skandal! Während einer Kinovorstellung in einem Lichtspielhaus in der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden sollen mehrere Schüler während einer Einblendung zum Holocaust laut applaudiert haben. Die Ermittlungen laufen weiter auf Hochtouren.

Im Jahr 1942 tagten hochrangige NS-Verantwortliche über die sogenannte "Endlösung der Judenfrage".
Im Jahr 1942 tagten hochrangige NS-Verantwortliche über die sogenannte "Endlösung der Judenfrage".  © Steffen Kugler/dpa

Sechs hessische Berufsschüler geraten ins Visier der Staatsanwaltschaft Wiesbaden, nachdem sie bei einer Filmvorführung offenbar die Ermordung der Juden im Nationalsozialismus beklatscht haben.

Staatsanwalt Florian Breidenbach gab am Mittwoch bekannt, dass vorerst gegen Unbekannt ermittelt werde, aber die Namen der Schüler bekannt seien und weitergeleitet würden. Der Vorwurf lautet auf mutmaßliche Volksverhetzung. Ein Sprecher des Kultusministeriums bestätigte, dass der polizeiliche Staatsschutz bereits informiert sei.

Am 30. Januar besuchten etwa 60 Schülerinnen und Schüler einer Berufsschule in Wiesbaden eine Vorführung des Films "Die Wannseekonferenz" in der Caligari-Filmbühne in der hessischen Landeshauptstadt. Im Abspann des Films wird auf die Ermordung von sechs Millionen Juden während der NS-Herrschaft hingewiesen.

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Berichten zufolge sollen die sechs Jungen daraufhin applaudiert haben, wie verschiedene Medien, darunter der "Wiesbadener Kurier", berichteten.

Das hessische Kultusministerium teilte am Mittwoch mit, dass die sechs betroffenen Schüler noch im Kino von ihren drei begleitenden Lehrkräften zurechtgewiesen wurden.

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Der Vorfall ereignete sich in der Caligari-Filmbühne in Wiesbaden.
Der Vorfall ereignete sich in der Caligari-Filmbühne in Wiesbaden.  © Nicolas Armer/dpa

Die Jugendlichen wurden für zwei Wochen vom Schulbesuch ausgeschlossen und haben angeboten, sich bei der Jüdischen Gemeinde Wiesbaden zu entschuldigen.

Kultusminister Armin Schwarz (55, CDU) äußerte sich zu dem Vorfall mit Entsetzen: "Der Vorfall ist unerträglich und hat uns entsetzt. Er wird schonungslos aufgearbeitet und Konsequenzen haben. Antisemitismus und Aggressionen gegenüber Jüdinnen und Juden sind mit unseren Werten unvereinbar."

Er betonte die Notwendigkeit, "klare Kante" zu zeigen, und informierte alle Schulen erneut über Präventionsangebote sowie den konsequenten Umgang mit antisemitischen Vorfällen.

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Staatsanwalt Breidenbach merkte an, dass aufgrund des Alters der betroffenen Schüler wahrscheinlich das Jugendstrafrecht zur Anwendung kommen werde, bei dem der Erziehungsgedanke im Vordergrund stehe.

Die Wannseekonferenz vor 82 Jahren war eine Versammlung hochrangiger NS-Funktionäre, die die systematische Ermordung von bis zu elf Millionen Juden berieten. Ihr Ziel war es, die Umsetzung des Völkermords zu beschleunigen.

Titelfoto: Montage: Steffen Kugler/DPA, Nicolas Armer/DPA

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