Neuruppin - Hinter Gittern geht es oft um die großen Fragen: Schuld, Reue und die Hoffnung auf einen Neuanfang. Doch nicht jeder Häftling findet Trost im Glauben. Genau hier setzt Brandenburg jetzt an.
In der Teilanstalt Neuruppin-Wulkow der JVA Nord-Brandenburg startete im Januar die bundesweit erste humanistische Gefängnisseelsorge.
Statt Bibel und Gebet stehen Selbstbestimmung, Vernunft und persönliche Verantwortung im Mittelpunkt. Getragen wird das Angebot vom Humanistischen Verband Berlin-Brandenburg.
In vertraulichen Gesprächen können Inhaftierte über ihre Lebenssituation sprechen, Perspektiven entwickeln und sich mit ihrer Vergangenheit auseinandersetzen - ganz ohne religiösen Bezug.
Justizminister Dr. Benjamin Grimm nennt das Projekt eine "wichtige Ergänzung" im Strafvollzug. Es stärke Stabilisierung und Resozialisierung.
Vorbild sind unter anderem die Niederlande, wo humanistische Seelsorge seit Jahren etabliert und wissenschaftlich begleitet wird.
Finanziert wird das Projekt aus Lottomitteln des Landes. Demnach fließen 20 Prozent der Einnahmen der Land Brandenburg Lotto GmbH als Glücksspielabgabe an das Land. Mit diesen Geldern werden soziale und gemeinnützige Projekte gefördert - so auch der speziell ausgebildete Seelsorger in Brandenburg.