Cold Case Amy Lopez: So kamen die Ermittler dem Mörder auf die Spur

Von Christian Schultz

Wiesbaden/Koblenz - Wenn Ermittlungen zu Kapitaldelikten stocken, können Fachleute des Landeskriminalamtes (LKA) Hessen entscheidend weiterhelfen.

Amy Lopez (†24) wurde am 26. September 1994 in Koblenz getötet.  © Kripo Koblenz

Sie sind spezialisiert auf die Analyse winziger DNA-Spuren. Das Team um Harald Schneider war schon am Fall des ermordeten Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke (†65) maßgeblich beteiligt. Nun führte es die Polizei über 30 Jahre nach dem Mord an Amy Lopez (†24) in Koblenz auf die Spur des Tatverdächtigen. Wie geht das?

Die Zauberwörter heißen: selektive Hautschuppenanalyse. Grob gesagt wird dabei aus winzigen Hautbestandteilen, die beispielsweise auf Tatwerkzeugen oder auf Kleidung und Körpern von Opfern haften, DNA isoliert und mit anderen DNA-Proben abgeglichen.

Dahinter steckt viel Detailarbeit und immenser Aufwand, wie Schneider der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erklärt. Amy Lopez (†24) wurde am 26. September 1994 in Koblenz getötet.

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Ermittler sichern kleinste Spuren mit spezieller Klebenfolien

Harald Schneider und sein Team sind spezialisiert auf die Analyse winziger DNA-Spuren.  © Jonas Ratermann/Hessisches Landeskriminalamt /dpa

Ermittler sichern Spuren an Tatorten unter anderem mithilfe spezieller Klebefolien. So werde versucht, kleinste Textilspuren oder Hautreste zu bewahren, erläutert der Molekularbiologe.

Lange Zeit sei es allerdings unmöglich gewesen, solche Spuren auszuwerten, bis die Technik in den 1990er- und 2000er-Jahren enorme Fortschritte gemacht habe. 

Zu aktuellen Fällen und zu Altfällen - auch Cold Cases genannt, wie dem nun möglicherweise gelösten der am 26. September 1994 in Koblenz unterhalb der Festung Ehrenbreitstein getöteten US-Touristin Amy Lopez - liegen mit Folie gesicherte Spuren in Asservatenkammern der Polizei oder der zuständigen Staatsanwaltschaften.

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Auf sie greift man in der Regel immer dann zurück, wenn es an klassischen biologischen Spuren wie Blut, Sperma, Speichel oder Haaren fehlt, wie Schneider erklärt. 

"Es ist eine Fleißarbeit", sagt DNA-Spezialist Harald Schneider

Dann werde geschaut, wie eine Gewalttat mutmaßlich begangen wurde, wo der Täter oder die Täterin das Opfer berührt haben könnte. Es folgt der gezielte Blick auf winzige Spurenreste auf den Klebefolien von genau diesen Körperteilen. "Es ist eine Fleißarbeit", sagt Schneider. 

Gefunden werde jegliche Fremd-DNA, auch die, die mit dem Fall oder Täter gar nichts zu tun habe. Nötig sei zur Abstraktion der DNA die Analyse jedes einzelnen Hautpartikels.

Pro Klebefolie kommen Schneider zufolge mehrere hundert solcher Partikel zusammen, auf einer Leiche teils hunderte Folien. 

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Die Treppe zum Fundort der Leiche unterhalb der Festung Ehrenbreitstein in Koblenz.  © Thomas Frey/dpa
Das ehemalige Arbeitszimmer des preußischen Generals Aster: Hier wurde die Tote entdeckt.  © Thomas Frey/dpa

DNA-Spur am Hosenbund von Amy Lopez führte zu dem Tatverdächtigen

Eine DNA-Spur alleine überführe keine Täter, betont er. Es sei zunächst immer nur ein Ermittlungshinweis, anschließend brauche es weitere Ermittlungen. 

Im Fall Amy Lopez war nach Angaben der Staatsanwaltschaft Koblenz eine DNA-Spur vom Hosenbund der damals 24-Jährigen mitentscheidend für die Festnahme des heute 81-jährigen Tatverdächtigen.

Sie stimmte überein mit einer DNA-Probe, die der Mann freiwillig abgegeben hatte.

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