Rebecca Reusch seit gut fünf Jahren vermisst: Kriminalist zeigt sich optimistisch

Berlin - Seit mittlerweile fünf Jahren ermittelt das Berliner LKA zum Vermisstenfall Rebecca Reusch. Bisher fehlt der Polizei die entscheidende Spur.

Die damals 15-jährige Rebecca verschwand am Morgen des 18. Februar 2019 im Stadtteil Britz im Bezirk Berlin-Neukölln.
Die damals 15-jährige Rebecca verschwand am Morgen des 18. Februar 2019 im Stadtteil Britz im Bezirk Berlin-Neukölln.  © Toni Feist/dpa-Zentralbild/dpa, ---/Polizei Berlin/dpa (Bildmontage)

Kriminalist Axel Petermann (71) ist jedoch optimistisch, dass der Fall noch aufgeklärt werden kann: "Ich halte die Chancen für eine späte Aufklärung immer für gegeben", sagte Petermann der Deutschen Presse-Agentur. "Ich bin optimistisch und denke, man muss es weiter probieren. Da braucht man auch Glück und bestimmte Voraussetzungen", sagte der Profiler, der lange die Bremer Mordkommission leitete.

Nach wie vor versuchen Polizei und Staatsanwaltschaft, den Fall aufzuklären. "Es gibt im Fall Rebecca keine Neuigkeiten", teilte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft der Deutschen Presse-Agentur mit.

Als Beschuldigter werde weiterhin der Schwager geführt. Hinweisen aus der Bevölkerung, die gelegentlich eingehen, werde nachgegangen. "Bislang hat sich da aber noch nichts als zielführend erwiesen", so der Sprecher. Ein erneuter Zeugenaufruf sei derzeit nicht geplant, das Thema beschäftige die Öffentlichkeit ohnehin.

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Die damals 15-jährige Rebecca verschwand am Morgen des 18. Februar 2019 im Stadtteil Britz im Bezirk Berlin-Neukölln. Nach Angaben der Familie und der Polizei verbrachte das Mädchen die Nacht zuvor im Haus ihrer Schwester und ihres Schwagers. Bis heute wurde sie weder lebend noch tot gefunden. Seit damals ermittelt eine Mordkommission des Berliner Landeskriminalamtes (LKA). Unter Verdacht steht seit Beginn der Ermittlungen der Schwager Rebeccas.

Vermisstenfall Rebecca Reusch: "Abgebrühter" und "kaltschnäuziger" Täter

Kriminaltechniker der Berliner Polizei untersuchten im März 2019 das Haus und den Garten der Schwester der verschwundenen Rebecca Reusch.
Kriminaltechniker der Berliner Polizei untersuchten im März 2019 das Haus und den Garten der Schwester der verschwundenen Rebecca Reusch.  © Bernd von Jutrczenka/dpa

Der damals 27-jährige Mann war bei einer Feier und kam erst am frühen Morgen zurück. Rebeccas Schwester ging früh zur Arbeit. Als die Mutter anrief, um Rebecca zum Schulbesuch zu wecken, ging niemand ans Telefon. Die Mutter rief den Schwager an, der Anruf wurde weggedrückt.

Kurz darauf rief er zurück und sagte, Rebecca sei bereits weg. In der Schule kam sie nicht an und auch nicht zurück nach Hause. Das Auto der Familie wurde später an dem Tag auf der Autobahn Richtung Polen festgestellt. Außer dem Schwager hatte keiner Zugriff darauf, eine nachvollziehbare Erklärung gab er nicht ab.

Auch Axel Petermann geht davon aus, dass Rebecca das Haus ihrer Schwester nicht lebend verließ. "Es ist dem Täter offensichtlich gelungen, recht schnell und sehr strukturiert vorzugehen, als es darum ging, Rebecca aus dem Haus zu schaffen und das Mädchen zu verbergen, sodass sie bis heute nicht gefunden wird", sagte Petermann. Dass der Täter nach wie vor alles für sich bewahrt, sei auch ein Zeichen von "viel Durchhaltevermögen, Kaltschnäuzigkeit und Abgebrühtheit", so der Profiler.

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Zudem ist es laut Petermann wichtig, "erst einmal zu schauen, welche Menschen bis zum Tode Kontakt mit Rebecca hatten". Es könne auch im Vorfeld etwas passiert sein, als die Schwester der 15-Jährigen noch im Haus war, "deswegen würde ich immer versuchen, all diejenigen, die noch infrage kommen, nicht auszuschließen", erklärt der Kriminalist.

Kriminalistik "reich an positiven Beispielen"

Ob Ermittlungen bei derartigen "Cold Cases" erfolgreich sind, hängt laut Petermann von mehreren Faktoren ab. So käme es etwa auf die Intensität der weiteren Ermittlungen und neu aufkommende Spuren an, sagte der Experte. Doch auch alte Indizien können laut dem Kriminalisten durch moderne technische Möglichkeiten neue Brisanz erhalten.

Auch ein "gewisses Glück" spiele eine Rolle. Die Kriminalistik sei jedoch "so reich an positiven Beispielen", dass man auch viele Jahre danach eine Aufklärung herbeiführen könne. "Deswegen darf man da einfach nicht nachlassen", sagt Petermann.

Titelfoto: Toni Feist/dpa-Zentralbild/dpa, ---/Polizei Berlin/dpa (Bildmontage)

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