Bistum München erlaubt Segnung queerer Paare ganz offiziell, Kölner Kardinal stellt sich dagegen

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Von Britta Schultejans, Kathrin Zeilmann, Birgit Reichert, Christoph Driessen, Magdalena Henkel & Jonas Reihl

Köln/München - Gleichgeschlechtliche Paare können sich ab sofort im Erzbistum München-Freising ganz offiziell segnen lassen. Ausgerechnet im als weltoffen geltenden Köln lässt der Schritt hingegen noch auf sich warten.

Während Münchens Kardinal Reinhard Marx (72, r.) die Segnung homosexueller Paare auch offiziell erlaubt, schiebt sein Kölner Amtskollege Rainer Maria Woelki (69) dem Anliegen der queeren Szene bislang einen Riegel vor. (Archivfoto)
Während Münchens Kardinal Reinhard Marx (72, r.) die Segnung homosexueller Paare auch offiziell erlaubt, schiebt sein Kölner Amtskollege Rainer Maria Woelki (69) dem Anliegen der queeren Szene bislang einen Riegel vor. (Archivfoto)  © Sebastian Gollnow/dpa

In einem aktuellen Schreiben an die Seelsorgerinnen und Seelsorger in seinem Verantwortungsbereich empfiehlt der für das Bistum zuständige Kardinal Reinhard Marx (72) eine entsprechende Handreichung der katholischen Deutschen Bischofskonferenz (DBK) und des Zentralkomitees der Katholiken (ZdK) "als Grundlage pastoralen Handelns", wie das Erzbistum auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mitteilt. 

Vor ziemlich genau einem Jahr hatten DBK und das ZdK – die Vertretung der sogenannten Laien, der Gläubigen in den Gemeinden – die Handreichung verabschiedet. "Die Kirche bringt Paaren, die in Liebe verbunden sind, Anerkennung entgegen und bietet ihnen Begleitung an", heißt es in dem Papier. 

Das Neue daran: Zwar hatten auch vorher immer schon einzelne katholische Priester schwule oder lesbische Paare gesegnet, aber sie bewegten sich dabei in einer kirchenrechtlichen Grauzone. Das ist jetzt anders. Der Segen hat gleichsam den Segen von oben. Voraussetzung ist, dass der jeweilige Ortsbischof die Handreichung der DBK in Kraft setzt. Denn jeder Bischof regiert sein Bistum weitgehend unabhängig. 

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Ganz anders ist die Situation dort, wo konservative Bischöfe das Sagen haben – zum Beispiel in Köln. So betont die Pressestelle von Kardinal Rainer Maria Woelki (69), der sich im neuen Horst-Schlämmer-Film noch betont volksnah gibt, gegenüber der dpa: "Wir werden die angesprochene Handreichung im Erzbistum Köln nicht zur Anwendung bringen."

Das Dikasterium für die Glaubenslehre in Rom – die oberste Wächterstelle über die katholische Lehre – habe explizit darauf hingewiesen, dass die Segensspendung spontan und kurz sein solle, also keine liturgische Form haben dürfe. "Hier geht die Handreichung nach unserer Einschätzung über die weltkirchlichen Regelungen hinaus."

Eine Regenbogenfahne hängt an der Münchener Paulskirche.
Eine Regenbogenfahne hängt an der Münchener Paulskirche.  © Tobias Hase/dpa

Warum zögern viele katholische Bischöfe nach wie vor?

Was aber ist der Grund dafür, dass viele Bischöfe die Handreichung ihrer eigenen Konferenz in ihrem jeweiligen Bistum bisher noch nicht umgesetzt haben? Warum das Zögern? Offiziell gibt es darauf keine richtige Antwort, doch dahinter dürfte stehen, dass viele erst noch warten wollen, wie sich Papst Leo XIV. (70) in diesen Fragen positioniert. Leo schießt zwar kräftig gegen Donald Trump (79) und ist deshalb gerade bei progressiv eingestellten Katholiken derzeit sehr beliebt. 

Es gibt aber bisher keinen Hinweis darauf, dass er die Lehre der Kirche in Fragen der Sexualmoral anpassen will. Jedes Thema, das mit LGBTQ-Fragen zu tun habe, sei "höchst polarisierend", hatte er in einem Interview nach seiner Wahl gesagt. Und mit dem Papst wollen sich nun mal die wenigsten Bischöfe anlegen.

Titelfoto: Bildmontage: Tobias Hase/dpa, Sebastian Gollnow/dpa

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