Spinnen die? Warum der Kölner Fernsehturm gesprengt werden soll
Von Jonas-Erik Schmidt, Florian Fischer
Köln - Ein architektonischer Riese in Köln, den man live im Fernsehen sprengen könnte? Bevor Panik ausbricht, eine Entwarnung: Dem Kölner Dom geht es im ZDF nicht an das viel besungene Mauerwerk ("Mer losse d'r Dom en Kölle"). Womöglich aber einem anderen Bauwerk, das sich in den Himmel der Stadt schraubt: dem Fernsehturm "Colonius".
Das ZDF zeigt eine neue Ausgabe des "ZDF Magazin vor Ort" (29. Mai, 23 Uhr; ab 20 Uhr streambar) - einem Ableger von Jan Böhmermanns (45) Show-Kosmos, der sich der Verulkung von Live-Fernsehen verschrieben hat.
In der ersten Folge berichtete Autorin Caro Worbs (32) von einem angeblichen Erdbeben in der Eifel und wurde - an dieser Stelle hatte dann hoffentlich jeder begriffen, dass es sich um Satire handelte - von einem Drachen gefressen.
Diesmal übernimmt ihr Kollege Chris Sommer (34), bekannt etwa aus dem Podcast "Drinnies", mit einem nicht minder erschütternden Thema.
"ZDF Magazin vor Ort: Die Colonius-Sprengung" heißt die neue Folge. Sie dreht sich um den 266 Meter hohen und 1981 eingeweihten Kölner Fernsehturm - einem Bauwerk, das erstaunlich wenig Liebe bekommt in einer Stadt, die sonst kurz davor ist, auch Brauhäuser zum Weltkulturerbe zu erklären.
Aber der "Colonius" ist auch für Kölner ein großes Rätsel - seit Jahren ist das Beton-Ufo schon abgesperrt.
Der Turm, den keiner so recht kennt
Für Sommer eine ideale Projektionsfläche. Der Turm sei wie ein Elefant im Raum, meint er - riesig, aber niemand spreche darüber.
"Man fährt ständig daran vorbei, aber eigentlich weiß keiner so genau, was mit diesem Turm überhaupt los ist. Man weiß nur: Das Ding steht da und hat irgendwas mit Fernsehen und Signalen zu tun", sagt Sommer der Deutschen Press-Agentur. Fast wirke er ein wenig mythisch.
Der gebürtige Schweizer ist schon seit Jahren Teil des Kölner Fernseh- und Kreativbetriebs. Viele Zuschauer dürften ihn aus Böhmermanns Muttersendung "ZDF Magazin Royale" kennen, in der er etwa den Reporter Peter-Stefan Thomas spielt.
Sein Alter Ego soll daher auch durch die angebliche "Colonius"-Sprengung führen - das Genre dürfte dem beflissenen Berichterstatter mit der Allwetter-Jacke sehr liegen.
Köln ist zwar durchaus bekannt dafür, auch seine mitunter dysfunktionale Infrastruktur mit Heimatgefühl aufzuladen. Sorgen, dass ein paar Kölner am Freitagabend besorgt beim ZDF anrufen, weil sie die Sprengung für echt halten, hat Sommer gleichwohl nicht.
"Ich glaube, die Kölnerinnen und Kölner sind durch den Karneval jedes Jahr so viel gewohnt, dass sie eine angebliche Sprengung des 'Colonius' nicht mehr aus der Ruhe bringt", sagt Sommer. Zudem gebe es ja gefühlt jede Woche irgendwo eine Bombenentschärfung in der Stadt. "Wenn in Köln mal etwas in die Luft fliegt, gehört das fast schon zum guten Ton."
Titelfoto: Rolf Vennenbernd/dpa

