Konzern-Boss schlägt Alarm: Geht Europa vor den Augen der USA bei diesem Thema unter?

Von Wolf-Dietrich von Dewitz

Antwerpen/Köln - Einer der führenden europäischen Chemie-Bosse sieht Europa aufgrund diverser Fehler im Umgang mit der Chemiebranche vor dem Untergang.

Jim Ratcliffe (r.) prognostiziert Europa in Sachen Chemiebranche eine düstere Zukunft.
Jim Ratcliffe (r.) prognostiziert Europa in Sachen Chemiebranche eine düstere Zukunft.  © Nick Potts/PA Wire/dpa

Im Detail geht es um Jim Ratcliff (73) vom britischen Chemiekonzern Ineos. Dieser warnt bei einem Treffen zahlreicher Industrievertreter in Antwerpen vor drastischen Folgen hoher Kosten.

"Die Industrie ist derzeit dabei herunterzufahren. (...) Ohne eine Chemieindustrie können wir keine Krankenhäuser betreiben, wir können keine Menschen ernähren und wir können uns nicht verteidigen - das ist entscheidend für die nationale Sicherheit."

Binnen zwei Jahren hätten in Europa 101 Industriestandorte dichtgemacht, 25 Millionen Tonnen Chemie-Kapazität hätten Europa verlassen und mehr als 75.000 Menschen ihre Jobs verloren, sagte Ratcliffe und stellte den Klimaschutz-Nutzen von Europas Politik infrage.

Release perfekt: Kölner Milliarden-Firma veröffentlicht neues KI-Tool
Köln Wirtschaft Release perfekt: Kölner Milliarden-Firma veröffentlicht neues KI-Tool

Diese führe nicht zu einer Reduzierung globaler Emissionen, sondern zu einer Erhöhung solcher. "Europa hat Emissionen nicht gesenkt, sondern es hat sie exportiert. Produktion wurde in die USA und nach China verlagert, wo die Kohlenstoffintensität viel höher ist."

Chemie-Boss zieht Vergleich zu Amerika

Der milliardenschwere Manager monierte, dass Energiepreise in Europa viermal höher seien als in den USA. Steigende CO2-Kosten und schwacher Handelsschutz verschreckten Investitionen. "Europas Chemieindustrie kann diese Bedingungen nicht überleben."

Der Konzern stellt Chemikalien her, die für die Herstellung von Medikamenten, Mobiltelefonen, Agrarprodukten oder Autoteilen genutzt werden. In Köln hat Ineos mehr als 2500 Beschäftigte.

Titelfoto: Nick Potts/PA Wire/dpa

Mehr zum Thema Köln Wirtschaft: