Leipzig - Tagelang floss im rekordverdächtigen Sommer an einer Stelle nach der nächsten Fugenmasse aus dem Leipziger Schienennetz. Viele fragen sich bis heute, wie das passieren konnte. Jetzt wurde ein unabhängiges Gutachten vorgestellt.
"Grundlegende Planungsfehler konnten wir ausschließen", sagte Ian Veigl, Sachverständiger der TÜV SÜD Rail, am Montag. Lediglich Lücken in der Dokumentation während der jeweiligen Bauausführung und Abnahme der teils jahrzehntealten Gleisabschnitte seien festgestellt worden.
Es habe keinen einzelnen Auslöser für das Verkleben von insgesamt 36 Kilometern Gleise gegeben, es sei ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren gewesen: Die durchgehend tropische Hitze über mehrere Tage und die Beanspruchung der Gleise durch motorisierten Verkehr sind zwei von ihnen.
Der TÜV empfiehlt sogar, auch in Zukunft bituminöse Fugenmasse einzusetzen - allerdings mit Veränderungen.
Die Fugen sollen fortan niedriger unter den Schienenkopf eingebaut werden und das Material künftig einen fünf Grad höheren Schmelzgrad besitzen. Die Richtlinie dafür werde verändert.
LVB glaubt, dass sich derartiges Schadensbild durch Vorkehrungen nicht wiederholen wird
Warum aber ist so etwas in Leipzig, Nürnberg und Essen, nicht aber in vielen anderen der 70 deutschen Städten mit Straßenbahnverkehr passiert? Die Auswertung hierzu laufe noch, um zu klären, welche Faktoren dort gewirkt oder eben nicht gewirkt haben.
Durch einen Hitzeplan soll künftig vermieden werden, dass ein solches großflächiges Horrorszenario für LVB und Fahrgäste noch einmal auftreten kann. Hierfür werden ab 33 Grad die Temperaturen an Anlagen gemessen und eine Busbefahrung der Gleise abschnittsweise verboten. Ab 38 Grad könne es zu Streckensperrungen kommen.
Auch Abkühlungen der Fahrzeuge in einer Waschanlage und das Wässern der Streckenabschnitte sind mögliche Maßnahmen. Zudem könne bei hohen Temperaturen auch eine mehlartige Substanz auf die Fugen gestreut werden, um ein Verkleben zu verhindern. "Wir gehen davon aus, dass keine derartigen Schäden in dieser Größenordnung wieder auftreten", sagte Toralf Müller, LVB-Geschäftsführer Technik und Betrieb.
Bis Ende des Jahres soll die noch verbliebene Reparatur von 14 Kilometern Gleisen abgeschlossen sein.
Knapp 2000 Helfer befreiten die Schienen Ende Juni und Anfang Juli von klebrigem Bitumen, von dem 55 Weichen und 100 Fahrzeuge betroffen waren und wodurch ein Gesamtschaden von 4,5 Millionen Euro verursacht wurde.