600 Wohnungen, Kita, Supermarkt: "Parkstadt Dösen" kann gebaut werden!

Von Anke Brod

Leipzig - Ein Lost-Place weniger in Leipzig: Am Donnerstag stimmte der Stadtrat einem städtebaulichen Vertrag sowie dem Bebauungsplan Nr. 398 für die von Projektentwickler Instone/Real Estate geplante "Parkstadt Dösen" im Südosten der Messestadt zu.

Der Leipziger Stadtrat hat dem Bauvertrag sowie einem Bebauungsplan für die "Parkstadt Dösen" zugestimmt.
Der Leipziger Stadtrat hat dem Bauvertrag sowie einem Bebauungsplan für die "Parkstadt Dösen" zugestimmt.  © Anke Brod

Hier entstehen 600 Wohnungen, darunter 90 mietpreisgebunden sowie eine Kita und ein Supermarkt.

Die stilvollen Gründerzeithäuser werden dazu denkmalgerecht saniert und um einige Neubauten ergänzt. Auf der 14,6 Hektar großen Fläche operierte bis 2002 das Park-Krankenhaus Leipzig-Südost.

Am 1. Oktober 1901 wurde auf dem Areal die "Heilanstalt der Stadt Leipzig zu Dösen" gegründet. Laut einer Broschüre aus 1995 des späteren Park-Krankenhauses diente die Einrichtung da noch der Behandlung und Pflege von "Geisteskranken, körperlich Siechen, Revonvalescenten" sowie "schwachsinnigen Kindern".

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Während des Nationalsozialismus war die Adresse dann allerdings kein guter Ort: Angeblich führten Ärzte an gut 550 Kindern Versuche mit dem Medikament "Luminal" zur systematischen Tötungserprobung von Menschen durch. Eine Stolperschwelle am Straßenrand außerhalb des Geländes erinnert an die Opfer.

Gedenken an Opfer des Nazi-Regimes

600 Wohnungen, darunter 90 mietpreisgebunden, sollen in der "Parkstadt Dösen" entstehen.
600 Wohnungen, darunter 90 mietpreisgebunden, sollen in der "Parkstadt Dösen" entstehen.  © Anke Brod

Deshalb hatte der Stadtbezirksbeirat Südost für die zukünftige "Parkstadt Dösen" auch die Benennung einer Wohnstraße nach zwei früher derart ermordeten Kindern in "Geschwister-Steinhausen-Straße" vorgeschlagen. Die Ratsversammlung nahm dies ohne Beschlussfassung zur Kenntnis.

2012 begann die planerische Entwicklung für die Fläche seinerzeit als Mischnutzung. Nach einem Eigentümerwechsel 2016 profitiert das Gebiet bald aber überwiegend von Wohnraum.

Der abgesegnete städtebauliche Vertrag beherbergt über 50 Anlagen, fast alle sind dem Klima- und Artenschutz gewidmet. Die Naturvielfalt rund um die alte Anstalt ist enorm.

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Wegen der einschneidenden Baumaßnahmen verpflichtet sich der Projektträger daher neben dem Schutz von etwa Zwergfledermaus, Nachtigall oder Grünspecht auch zum sorgsamen Umgang mit den prägenden Park- und Alleebäumen.

Parkstadt Dösen: Mehr als 486 Bäume weniger?

Die Anzahl an Autoplätzen wurde von 700 auf 550 reduziert. Immer noch zu hoch, sagt Grünen-Sprecher Jürgen Kasek (40).
Die Anzahl an Autoplätzen wurde von 700 auf 550 reduziert. Immer noch zu hoch, sagt Grünen-Sprecher Jürgen Kasek (40).  © Anke Brod

Instone trägt demnach die Verantwortung, den "Baumbestand hinsichtlich der denkmalpflegerischen Konzeption gemäß Beiplan zum Bebauungsplan einschließlich aller nach dem sächsischen Naturschutzgesetz geschützten 'höhlenreichen' Einzelbäume dauerhaft zu erhalten."

Im Text heißt es: "Sofern geschützte Biotopbäume aus berechtigten Gründen gefällt werden müssen, wird durch den Erschließungsträger für diese Bäume eine Ausnahme ... bei der unteren Naturschutzbehörde, Amt für Umweltschutz der Stadt beantragt."

Bei alldem droht der Verlust von 486 Bäumen. Weiterhin sind laut Vorlage zusätzliche 200 Bäume wegen schlechter Vitalität und einhergehender Gefährdung der Verkehrssicherheit vom Aus bedroht. Durch umfassende Pflegemaßnahmen sollen sie längstmöglich erhalten werden.

Grüne: Noch zu wenig Umweltschutz!

Während Michael Neuhaus (28), umweltpolitischer Sprecher der Linken-Fraktion, den unter allen Beteiligten minutiös ausgehandelten B-Plan Nr. 398 als "Meilenstein" bezeichnete, legten die Grünen dem Stadtrat wenige Tage vor Abstimmung einen Änderungsantrag vor. Sprecher Jürgen Kasek (40) bezeichnete die von 700 auf 550 reduzierte Stellplatzzahl für Autos nämlich als immer noch zu hoch.

"Seit 2013 ist das Vorhaben bekannt", sagte er und monierte, dass es für das Plangebiet immer noch kein Konzept für öffentlichen Nahverkehr gebe. Weitere Kritik: Die Ablösesumme von 30.000 Euro an die Stadt Leipzig für bis zu 140 anderweitige Ersatzpflanzungen sei zu gering. Damit ließen sich maximal 30 Bäume pflanzen.

Baubürgermeister Thomas Dienberg nannte die Summe aller Verhandlungen zur "Parkstadt Dösen" indes einen Kompromiss: Nie ließen sich alle Punkte hundertprozentig erfüllen.

Titelfoto: Bildmontage: Anke Brod

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