OB-Anwärter will Leipzig zur Zukunftsstadt machen und setzt auf Innovationen: "Müssen die Karre aus dem Dreck ziehen"

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Von Andreas Tappert

Leipzig - Alexander Türpe, Kandidat der FDP für die OB-Wahl 2027, ist aus Frust in die Politik gegangen. "In unserem Land missfällt mir vieles erheblich", sagt der 42-Jährige. "Die Menschen sehnen sich nach einer vernünftigen Politik. Da kann ich nicht einfach auf der Couch sitzen und meckern. Wir müssen die Karre wieder aus dem Dreck ziehen." In Leipzig sieht er dafür Chancen.

FDP-Kandidat Alexander Türpe (42) hat klare Vorstellungen, wie sein Leipzig in Zukunft aussehen soll.
FDP-Kandidat Alexander Türpe (42) hat klare Vorstellungen, wie sein Leipzig in Zukunft aussehen soll.  © EHL Media/Erik-Holm Langhof

"Die Bürger wollen einen vernünftigen Service von ihrer Stadtverwaltung", sagt der Geschäftsführer des Dresdner Start-up-Förderunternehmens ExciteLab, einer Tochtergesellschaft des Leipziger SpinLabs.

"Im Rathaus muss gelten: Wir wollen die modernste Stadtverwaltung der Welt werden. Eine Stadt, in der die Bürger einfach und schnell alle Anliegen digital erledigen. Eine Stadt, in der 24 Stunden lang digital Unternehmensgründungen möglich sind. Andere machen das schon vor. Ich habe den ganzen Tag mit innovativen Ideen zu tun. Ich weiß, was geht."

Für ihn fühlen sich die letzten Jahre unter Oberbürgermeister Burkhard Jung (68, SPD) an "wie klebrige Füße". Türpe: "Niemand zeigt Kante und sagt: Jetzt reicht's, so geht es nicht weiter. Es gibt keine Ambitionen."

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Aus Sicht des gebürtigen Dresdners und Vaters einer Tochter, der seit 17 Jahren in Leipzig lebt, gibt es in der hiesigen Stadtverwaltung auch "ausreichend Leute, die Leipzig zu einer Zukunftsstadt machen können und Bock haben".

"Ich kenne Leute, die wirklich Lust haben, etwas nach vorn zu bringen", sagt der bekennende "Leipzig-Fan", den die rasante Entwicklung der Stadt in den 2000er-Jahren fasziniert hat. "Die werden ausgebremst und scheitern daran, dass im Leipziger Rathaus Visionen fehlen."

FDP-Kandidatin Alexander Türpe will den Königsweg beschreiten

Die Politik des aktuellen Oberbürgermeisters Burkhard Jung (68, SPD) kritisiert er.
Die Politik des aktuellen Oberbürgermeisters Burkhard Jung (68, SPD) kritisiert er.  © Elisa Schu/dpa

Leipzig müsse Vorreiter für Dinge wie das Laden an der Bordsteinkante oder das autonome Fahren werden. "Wir müssen fünf bis 15 Jahre in die Zukunft sehen und die aussichtsreichsten Unternehmen in die Stadt holen. In Deutschland muss es heißen: Wenn ich etwas Innovatives aufbauen will, dann muss ich nach Leipzig gehen."

Leipzigs katastrophale Finanzlage ist aus Sicht des Liberalen auch selbst verschuldet. "Statt viel Geld für freiwillige Leistungen auszugeben, hätte es besser in Investitionen fließen sollen", meint er.

Sogar Basisaufgaben seien dafür sträflich vernachlässigt worden. "Es ist nicht die Aufgabe der Stadt, für alles die Nanny zu sein. Wenn ich Oberbürgermeister werde, werden wir uns das alles nüchtern anschauen."

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Um Leipzigs Finanzen wieder auf gesunde Füße zu stellen, will er den Königsweg beschreiten: Die Einnahmen der Stadt erhöhen. Bestehende Unternehmen sollen deshalb Priorität im Rathaus bekommen. "Viele Leipziger Unternehmer fühlen sich nicht wahrgenommen und nicht gesehen", glaubt Türpe.

Das Rathaus müsse deshalb "seinen Elfenbeinturm" verlassen. "Als Oberbürgermeister kann ich nicht auf jedes Fest gehen, so schön das ist. Da muss ich zu den Unternehmern und zur Industrie und Leipzig als innovativen Standort promoten. Das ist der Hebel, der sich mehr lohnt, als die Ausgabenseite zusammenzukürzen. Da sehe ich von Burkhard Jung viel zu wenig."

Unternehmer sollten höheren Stellenwert im Stadtrat haben

Im Gespräch mit TAG24-Redakteur Andreas Tappert erläutert er seine Pläne für die Stadt, wenn die Wahl auf ihn fällt.
Im Gespräch mit TAG24-Redakteur Andreas Tappert erläutert er seine Pläne für die Stadt, wenn die Wahl auf ihn fällt.  © EHL Media/Erik-Holm Langhof

Jeder Unternehmer, der hundert Jobs schafft, müsse bis in die Chefetage des Rathauses durchdringen und die Handynummer des Oberbürgermeisters bekommen, um Hindernisse auf dem kurzen Dienstweg aus dem Weg zu schaffen, fordert er. 

Auch im Stadtrat sieht Türpe dringenden Handlungsbedarf. "Ich würde mir wünschen, dass wir im Stadtrat mehr über die Neuansiedlung von Unternehmen sprechen als über freiwillige Leistungen für Vereine und NGOs." Stattdessen würden in Teilen des Rates Unternehmer als "das Böse schlechthin" gelten.

"Im Leipziger Stadtrat gibt es zu wenig Wirtschaftskompetenz", sagt der Diplom-Politologe. "Dort wird zu viel Klientel-Politik gemacht."

Statt Gruppeninteressen durchzusetzen, müsse "wieder Politik für die ganze Stadt" gemacht werden. "Und für mich stehen dabei die Leute ganz vorn, die den Großteil der Einnahmen generieren. Wir können es uns gar nicht leisten, sie nicht mit ganzer Kraft zu unterstützen. Sonst haben wir bald nichts mehr zu verteilen."

Auch das Baustellenmanagement will er besser machen. "Ich habe den Eindruck, dass es ohne Sinn und Verstand abläuft." Baustellen würden wochenlang abgesperrt, ohne dass etwas geschieht.

Den Streit um den Wald bei RB will er zugunsten des Fußballvereins entscheiden. "Wir müssen RB wachsen lassen", sagt der Liberale. "Das ist ein Wirtschaftsunternehmen, das Einnahmen nach Leipzig bringt. Ich verstehe nicht, warum es keine Ausgleichsflächen für die Kleinmesse gibt."

Titelfoto: EHL Media/Erik-Holm Langhof

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