Umweltverbände entsetzt: Stadt will Vogelwald opfern, damit RB Leipzig wachsen kann
Leipzig - In Leipzig bahnt sich ein massiver Konflikt zwischen Stadtverwaltung und Umweltverbänden an. Hintergrund ist die Entscheidung der Stadt, dem Bundesligisten RB Leipzig ein ganzes Waldstück für die Erweiterung seines Trainingsgeländes zu veräußern. Damit würde ein Vogelschutzgebiet der Kettensäge zum Opfer fallen, das eigentlich Teil des neuen Biotopverbundkonzeptes sein sollte.
Als die Pressemeldung der Stadt Leipzig am heutigen Mittwochmorgen über den Ticker lief, musste nicht nur Leipzigs NABU-Chef René Sievert (53) nach Luft ringen.
Um dem Fußballprojekt RB Leipzig weiteres Wachstum zu ermöglichen und gleichzeitig die traditionelle Kleinmesse-Kirmes am Ort zu erhalten, wolle die Stadt dem Bundesligisten eine 57.000 Quadratmeter große Fläche westlich des Festplatzes zum Kauf anbieten, hieß es.
Bei der besagten Fläche handelt es sich um ein geschlossenes Waldstück, um dessen Schutzstatus die Leipziger Umweltverbände seit Jahren kämpfen. "Das gehört zum Vogelschutzgebiet und ist ein wertvolles Verbindungsstück zwischen nördlichem und südlichem Auwald", erklärt NABU-Chef Sievert.
Bei der Brutvogelkartierung 2023 seien dort 38 Vogelarten nachgewiesen worden, darunter streng geschützte Exemplare wie Kleinspecht, Star und Sperber.
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Und plötzlich verschwindet das Biotopverbundkonzept aus dem Stadtrat
Besonders perfide: Im Februar sollte im Stadtrat über ein Biotopverbundkonzept entschieden werden, in dem auch das jetzt zur Diskussion stehende Waldstück aufgeführt war. Biotope sollten bei der Stadtentwicklung besser geschützt werden, erklärte Leipzigs grüner Bau-Bürgermeister Thomas Dienberg (64) damals vollmundig.
Doch plötzlich verschwand das Thema still und leise von der Tagesordnung des Rates. Sievert: "Den Grund haben wir Naturschutzverbände damals nicht erfahren – jetzt wissen wir, warum ..."
Jahrelang hatten Leipzigs Umweltverbände für dieses Konzept gekämpft, eine 2019 gestartete Petition mit Namen "Bauen und Natur erhalten" unterschrieben über 6000 Leipziger.
"Der Flächenverbrauch in der Stadt hat seit 2018 drastisch zugenommen, alles wird bebaut und versiegelt – was ein massiver Verlust von Lebensraum bedeutet", beklagt der NABU-Chef. Dass nun auch noch ein ganzes innerstädtisches Waldstück dem Expansionsdrang eines kommerziellen Fußballprojektes weichen soll, macht ihn fassungslos.
Umwelt-Bürgermeister Heiko Rosenthal: "Ein großer Gewinn für die Stadt und den Sport"
Im Rathaus ist man sich der Brisanz bewusst, versucht die Sache aber herunterzuspielen.
"Auch wenn für diese Lösung die Rodung eines Gehölzbestandes entlang der Capastraße notwendig wird, bin ich fest davon überzeugt, dass insgesamt damit ein großer Gewinn für die Stadt und den Sport in Leipzig einhergeht", erklärte Umwelt-Bürgermeister Heiko Rosenthal (51, Linke).
Und Wirtschaftsbürgermeister Clemens Schülke (51, CDU) nennt das Waldopfer "eine pragmatische und wirtschaftlich überzeugende Lösung für alle Beteiligten". Gemeint sind damit RB Leipzig und die Kirmes-Veranstalter.
Allerdings: Das letzte Wort bei diesem Flächen-Deal hat der Stadtrat. Während Clemens dort für das Konzept werben will, planen die Umweltverbände laut Sievert noch mal einen Vorstoß für den Biotopverbund.
Titelfoto: Bildmontage: Alexander Bischoff ; IMAGO/Zoonar

