Amokfahrt von Leipzig: Das sind die erschütternden Geschichten hinter der Tragödie

❤️️
😂️
😱️
🔥️
😥️
👏️

Leipzig - Es waren nur 21 Sekunden - doch sie brachten Tod, Schmerz und jede Menge Leid über die Stadt Leipzig. Am Nachmittag des 4. Mai 2026 raste Amokfahrer Jeffrey K. (34) mit seinem VW Taigo durch eine belebte Fußgängerzone der Innenstadt, tötete zwei Menschen und verletzte Dutzende. In dreieinhalb Wochen beginnt der Prozess gegen den Mann, der das Unheil brachte. Und dessen selbst veröffentlichtes Motiv so verwerflich wie erschütternd ist.

Da waren sie noch glücklich: Jeffrey K. (34) mit seinem Sohn auf dem Arm und seiner Ehefrau. Im Februar trennte sie sich von ihm, beantragte später das alleinige Sorgerecht.
Da waren sie noch glücklich: Jeffrey K. (34) mit seinem Sohn auf dem Arm und seiner Ehefrau. Im Februar trennte sie sich von ihm, beantragte später das alleinige Sorgerecht.  © privat

Voraussichtlich ab 2. November wird am Landgericht einer der schwärzesten Tage in der jüngeren Stadtgeschichte Leipzigs juristisch aufgearbeitet.

Es geht um zweifachen Mord, versuchten Mord in 85 Fällen und gefährliche Körperverletzung.

Rund 30 Verhandlungstage bis Juli 2027 hat das Schwurgericht für den Prozess vorerst eingeplant. Etwa 100 Zeugen und Sachverständige stehen der 16. Strafkammer zur Wahrheitsfindung zur Verfügung.

Leipzig: Attacke auf Leipziger CDU-Büro: "Leider eine neue Qualität"
Leipzig Crime Attacke auf Leipziger CDU-Büro: "Leider eine neue Qualität"

Vier Opfer und Hinterbliebene haben bislang Anschluss als Nebenkläger beantragt.

Jeffrey K., der hier mit einem Pokal posiert war Amateurboxer (Leichtgewicht) und Kinder-Trainer in einem Box-Club.
Jeffrey K., der hier mit einem Pokal posiert war Amateurboxer (Leichtgewicht) und Kinder-Trainer in einem Box-Club.  © privat
Deine täglichen News aus Leipzig

Jeden Morgen die wichtigsten Nachrichten direkt in dein Postfach.

  • Lokale Nachrichten aus Leipzig & Umgebung
  • Exklusive Hintergrundberichte
  • Jederzeit abbestellbar
Deine Anmeldung konnte nicht gespeichert werden. Bitte versuche es erneut.
Deine Anmeldung war erfolgreich. Bitte bestätige die E-Mail, die wir dir gesendet haben.
Mit deiner Anmeldung stimmst du unseren Datenschutzbestimmungen zu.

Morden für Aufmerksamkeit

Mit diesem VW Taigo raste Jeffrey K. rund 450 Meter durch belebte Fußgängerzonen. Vor dem demolierten Auto liegt die abgedeckte Leiche von Sonja F. (†63).
Mit diesem VW Taigo raste Jeffrey K. rund 450 Meter durch belebte Fußgängerzonen. Vor dem demolierten Auto liegt die abgedeckte Leiche von Sonja F. (†63).  © Jan Woitas/dpa

Der Prozess wird Abgründe und Tragödien zutage fördern, die auch für Unbeteiligte nur schwer erträglich sind. Nach Ermittlungen der Mordkommission soll Jeffrey K. bereits am Vorabend den Entschluss gefasst haben, mit seinem Auto wahllos Menschen zu töten. Der unglaubliche Grund: Mit der Wahnsinnstat wollte er öffentlich auf sein eigenes Schicksal aufmerksam machen!

Dazu verfasste er ein später von der Polizei sichergestelltes Schreiben, in dem er erklärte, dass sich seine Frau im Februar von ihm getrennt habe. Zudem beschuldigte er darin deren Stiefvater der Vergewaltigung.

Wie jetzt bekannt wurde, stellte Jeffrey K. ein Foto dieses Schreibens Minuten vor der Amokfahrt in seinen WhatsApp-Status. Das Pamphlet selbst hielt er unmittelbar nach seiner mörderischen Tat, als der Wagen nahe der Thomaskirche an Pollern stoppte, gegen die Windschutzscheibe.

Leipzig: Polizisten hören Explosion: Fahrkartenautomat in Leipzig gesprengt
Leipzig Crime Polizisten hören Explosion: Fahrkartenautomat in Leipzig gesprengt

"Seine Absicht war es, sich so an seiner Frau zu rächen, weil er sie für seine Situation verantwortlich machte", sagte ein Ermittler gegenüber TAG24. Kurz zuvor habe die Frau noch das alleinige Sorgerecht für den gemeinsamen Sohn beantragt. "Die Opfer waren für ihn nur Mittel zum Zweck."

Kerzen brennen auf dem Pflaster des Augustusplatzes - hier begann die Amokfahrt.
Kerzen brennen auf dem Pflaster des Augustusplatzes - hier begann die Amokfahrt.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur

Die geliebte Frau aus der Hand gerissen

Nach der Amokfahrt legten die Menschen in Leipzig an der Strecke zahlreiche Blumen, Kerzen und Gedenkbilder ab.
Nach der Amokfahrt legten die Menschen in Leipzig an der Strecke zahlreiche Blumen, Kerzen und Gedenkbilder ab.  © IMAGO/Markus Matzel

Die Folgen dieses persönlichen Rachefeldzuges waren verheerend. Als Erstes erfasste der Wagen Fritz K. (†77). Der Rentner schleuderte über die Motorhaube und schlug mit dem Kopf auf der Straße auf. Er war sofort tot. Rechtsmediziner stellten bei der Obduktion ein Polytrauma, den Abriss des verlängerten Rückenmarks und die Zerreißung der Bauchschlagader fest.

Besonders tragisch ist die Geschichte des zweiten Todesopfers. Sonja F. (†63) war mit ihrem Mann Ullrich (75) zu Besuch in Leipzig. Die aus dem Raum Coburg stammenden Franken, die im Jahr zuvor Silberhochzeit feierten, besuchten an diesem Tag zunächst das Völkerschlachtdenkmal. Danach fuhren sie in die Innenstadt.

Am Augustusplatz überlegten beide noch, ob sie im "Vapiano" einkehren sollten. Sie entschieden sich dagegen - und besiegelten so unbewusst ihr Schicksal.

Die Touristen waren gerade Hand in Hand rund 30 Meter die Grimmaische Straße entlang geschlendert, als Jeffrey K. von hinten angerast kam. Mit bis zu 90 km/h, wie ein Sachverständiger später ermittelte. Sonja und Ullrich hörten den Wagen nicht kommen. Seine Frau sei ihm regelrecht aus der Hand gerissen worden, berichtete Ullrich F. später der Polizei.

Sonja wurde nach dem Aufprall auf das Dach des VW geschleudert und blieb dort liegen, bis der Amokfahrer am Poller scharf bremste und die Frau auf den Asphalt geschleudert wurde.

450 Meter Jagd auf 85 Menschen

Ein Polizeibeamter stellt in der Fußgängerzone Zahlentafeln auf, überall da, wo die mörderische Fahrt Spuren hinterließ.
Ein Polizeibeamter stellt in der Fußgängerzone Zahlentafeln auf, überall da, wo die mörderische Fahrt Spuren hinterließ.  © DPA

Obwohl Passanten sofort Erste Hilfe leisteten, hatte die Redaktionsassistentin keine Überlebenschance. Nach Angaben der Rechtsmedizin war ihr Halsmark vollständig gerissen, wies ihr Körper zudem zahlreiche Frakturen auf.

Ehemann Ullrich, der nach dem Anprall gegen andere Passanten geschleudert worden war, überlebte schwer verletzt. Noch am Boden liegend, versuchte er, via Handy seine Frau zu erreichen. Als sie sich nicht meldete, ahnte er bereits Schlimmstes.

Auf dem 450 Meter langen Weg, den der Amokfahrer nach Berechnungen von Gutachtern in 21 Sekunden zurücklegte, waren nach Ermittlungen der Mordkommission zu diesem Zeitpunkt neben den Todesopfern noch insgesamt 85 Personen.

Den meisten gelang es, dem heranrasenden Wagen auszuweichen. Dennoch wurden acht Passanten zum Teil schwer verletzt, etliche weitere erlitten als unmittelbare Augenzeugen Schocktraumata.

Gefängnis statt Psychiatrie

Leben hinter Gittern: Anfang September wurde der Amokfahrer von der Psychiatrie ins Gefängnis überstellt, sitzt seither in U-Haft.
Leben hinter Gittern: Anfang September wurde der Amokfahrer von der Psychiatrie ins Gefängnis überstellt, sitzt seither in U-Haft.  © Sebastian Willnow/dpa

Nach seiner Festnahme wurde Jeffrey K. zunächst in die geschlossene Psychiatrie eingewiesen. Doch dort ist er nicht mehr.

Anfang September wurde der ehemalige Box-Trainer, der als Haustechniker arbeitete, in eine Haftanstalt überstellt.

Grund: Der von der Staatsanwaltschaft als Gutachter bestellte forensische Psychiater Matthias Lammel, der sich lange mit Jeffrey K. unterhielt, fand bislang keine Hinweise auf einen psychopathologischen Befund, der die Schuldfähigkeit des Amokfahrers infrage stellen könnte.

Das sind ab 2. November die Protagonisten in Schwarz

Im Foto (v.l.n.r.): Oberstaatsanwalt Ulrich Jakob, Richter Carsten Ruge, Verteidiger Dr. Malte Heise.
Im Foto (v.l.n.r.): Oberstaatsanwalt Ulrich Jakob, Richter Carsten Ruge, Verteidiger Dr. Malte Heise.  © Bildmontage: Ralf Seegers

Oberstaatsanwalt Ulrich Jakob vertritt die Anklage. Der erfahrene Jurist ist seit Jahren federführend bei Ermittlungen zu Kapitalverbrechen wie Mord und Totschlag in Leipzig.

Er verteidigt den Amokfahrer: Malte Heise ist einer der erfahrensten Strafverteidiger Sachsens und der Mann für die ganz harten Fälle. Er verteidigte bereits unzählige Mörder, Totschläger und Sexualstraftäter, zuletzt den Fesselmörder Kevin R. (21), der im Juli 2023 einen Homosexuellen (25) in einem alten Hafenspeicher tötete.

Der Richter: Für Carsten Ruge ist es der erste große Fall als Vorsitzender eines Großen Schwurgerichts. Erst in diesem Jahr übernahm der langjährige Staatsanwalt und spätere Berufungsrichter am Landgericht Leipzig die 16. Strafkammer, die nach der Pensionierung eines langjährigen Beisitzers und dem Austausch einer Richterin auch noch komplett neu besetzt ist.

Er gilt als ruhiger Verhandler mit preußischer Gründlichkeit und sächsischem Zungenschlag.

Titelfoto: Bildmontage: privat ; Jan Woitas/dpa ; IMAGO/dts Nachrichtenagentur

Mehr zum Thema Leipzig Crime: