Leipzig - Bei dem Anschlagsversuch auf den Flughafen Leipzig/Halle Anfang August kamen offenbar mehr Drohnen zum Einsatz als zunächst angenommen. Mehrere Medien berichteten am Dienstag darüber, dass Ermittler ein drittes Fluggerät und möglicherweise sogar militärischen Sprengstoff entdeckt haben sollen.
Die dritte Drohne wurde demnach am frühen Abend des 14. August auf einem Feld im Kabelsketal in unmittelbarer Nähe zum Airport gefunden, wie unter anderem NDR, WDR und "Süddeutsche Zeitung" meldeten.
Damit jedoch nicht genug: Denn nachdem Kriminaltechniker angerückt seien, sollen die Ermittler am Folgetag an der Fundstelle auch noch eine Substanz entdeckt haben, bei der es sich nach ersten Einschätzungen um rund 50 Gramm des hochexplosiven militärischen Sprengstoffs Hexogen gehandelt haben könnte.
Die Vermutung nun: Die noch immer unbekannten Täter hatten womöglich einen weitaus größeren Anschlag im Sinn als bislang öffentlich bekannt.
Eine Quelle für die neuen Informationen nennen die überregionalen Medien nicht. Auf Nachfrage wollte die ermittlungsführende Bundesanwaltschaft die Berichte nicht bestätigen. Eine Sprecherin erklärte, dass angesichts der laufenden Ermittlungen derzeit keine Angaben gemacht würden.
Merz: Deutschland "ganz handfest bedroht"
Bundeskanzler Friedrich Merz (70, CDU) mahnte indes bei der Klausurtagung der Bundesregierung in Neubrandenburg: "Deutschland ist stärker ins Fadenkreuz hybrider Angreifer gerückt."
"Angreifer nehmen zunehmend skrupellos auch schwere Sachschäden, sogar Verletzte und Tote in Kauf." Unter anderem der Drohnenangriff in Leipzig zeige, dass Deutschland "ganz handfest bedroht" sei, sagte Merz laut einem Bericht der Deutschen Presse-Agentur. "Wir haben Probleme, die zum Teil von außen kommen und die wir nicht ignorieren dürfen."
Der Bundeskanzler kündigte an, dass sich die Bundesregierung demnächst zu Erkenntnissen über die Vorfälle in Leipzig äußern werde.
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (56, CSU) sprach im Zusammenhang mit dem Vorfall von einem "hybriden Anschlagsszenario". Die Ermittlungen in dem Fall dauern an.
Die neuen Informationen werfen weitere Fragen auf
Sollte der neue Fund authentisch sein, wird der Fall nun noch rätselhafter. Zusammengefasst: Gefunden wurden zwei Drohnen mit komplett unterschiedlichen Sprengstoffen, die beide nicht zur Zündung kamen. Eine dritte Drohne kollidierte in etwa 400 Metern Höhe mit einer durchstartenden DHL-Maschine, ohne größeren Schaden anzurichten.
Eine der Sprengstoffdrohnen "parkte" am Abend des 4. August vier Stunden neben einer ukrainischen Antonov, ehe sie von einem Busfahrer (!) entdeckt wurde. Zuvor soll sie folgenlos mit der Tragfläche des auf dem Vorfeld abgestellten Frachtfliegers kollidiert sein.
Am 14. August wurde eine zweite Sprengstoff-Drohne gefunden, die es aber gar nicht bis zum Flughafen geschafft hat.
Offiziell gilt in dem Fall eine Nachrichtensperre. Neue Informationen kommen fast ausschließlich über überregionale Medien an die Öffentlichkeit, die starke Verbindungen zum Berliner Politikbetrieb haben.
Die Berichte über den neuen Drohnenfund gelangten übrigens nur wenige Stunden vor der Kabinettsklausur-Erklärung von Bundeskanzler Friedrich Merz (70, CDU) an die Öffentlichkeit.
Erstmeldung vom 25. August, 7.29 Uhr. Aktualisiert um 19.12 Uhr.