Leipzig - Leipzigs Drogenfahnder hadern mit der Justiz. Nach monatelanger Ermittlungsarbeit gelang ihnen ein Schlag gegen einen Großdealer, beschlagnahmten sie Rauschgift im Kilobereich. Doch nach der Razzia mit Festnahme schaffte es der Verdächtige noch nicht mal bis zum Haftrichter. Ein dubioser Anruf eines Richters brachte ihm sofortige Freiheit.
Ein halbes Jahr lang hatte sich die Drogenfahndung an die Fersen von Daniel W. (46) geheftet, hatten die Ermittler seine Telefone abgehört, seine Vertriebswege erkundet.
An diesem Mittwoch lagen den Beamten so viele Beweise gegen den Leipziger vor, dass sie in einer konzertierten Aktion zuschlagen konnten.
Mit Unterstützung der Bereitschaftspolizei und Kräften aus Sachsen-Anhalt marschierten die Drogenfahnder am Morgen bei dem von Leuna (Sachsen-Anhalt) aus agierenden Daniel W. ein und hoben gleichzeitig seine in Leipziger Lagerboxen befindlichen Drogendepots aus.
Mit Erfolg: Insgesamt 1,8 Kilo Rauschgift stellten die Beamten sicher, darunter ein Kilo Crystal Meth, Cannabis, Kokain und Ecstasy-Pillen. Auch tausende Euro Bargeld wurden beschlagnahmt.
Ein Anruf, der Drogenfahnder sauer macht
Die Staatsanwaltschaft beantragte nach der Festnahme von W. umgehend Haftbefehl.
Doch dann das Unglaubliche: Noch auf der Fahrt zum Leipziger Amtsgericht rief ein Ermittlungsrichter an und teilte der Staatsanwaltschaft und den verdutzten Drogenfahndern mit, dass er keinen Haftgrund sehe, der Dealer umgehend freizulassen sei.
"Trotz der Drogenmenge sah der Richter weder Flucht- noch Verdunklungsgefahr", erzählt einer der Ermittler kopfschüttelnd.
Daniel W. kam lächelnd auf freien Fuß. Die Ermittlungen gegen ihn dauern an - nun aber unter erschwerten Bedingungen.