Drohnen-Angriff auf Leipziger Flughafen: Ermittler vermuten Geheimdienst-Aktion

Leipzig - Sollte der Drohnen-Angriff auf den Leipziger Flughafen gar nicht zur Explosion führen, sondern als Droh-Szenario mit knallharter Botschaft die Verletzlichkeit unserer Infrastruktur aufzeigen? Während Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (56, CSU) von einem "hybriden Anschlagszenario" spricht, gehen die Ermittlungen auch in Richtung einer Geheimdienstaktion.

Für Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (56, CSU) war Leipzig ein "hybrides Anschlagszenario". Adressiert hat er es bislang nicht.  © DPA

Sowohl Dobrindt als auch Sachsens Innenminister Armin Schuster (65, CDU) äußerten noch am Mittwochabend den Verdacht, dass der Anschlag auf "fremde Mächte" und hochprofessionelle Täter zurückzuführen, der verwendete Sprengstoff zudem militärischen Ursprungs sei.

Angesichts der Professionalität stellt sich die Frage, ob der Zünder an der Sprengladung tatsächlich defekt war oder bewusst nicht aktiviert wurde.

Zumal die Drohne, wie nach der polizeilichen Auswertung von Überwachungsvideos des Airports gestern bekannt wurde, schon gegen 19.30 Uhr das erste Mal das Flughafengelände überflog - und es hier sogar zu einer unbemerkt gebliebenen Zwischenlandung kam.

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Während Dutzende Bereitschaftspolizisten gestern im Umfeld des Airports nach den Trümmern der zweiten Drohne suchten, die in der Luft mit einem durchstartenden DHL-Flieger zusammengeprallt war, hat die von Bundespolizei und BKA unterstützte Flughafen-Ermittlungsgruppe im LKA mit der kriminalistischen Versionsbildung begonnen. Wie TAG24 aus Ermittlerkreisen erfuhr, wird dabei unter anderem diesen drei Fall-Szenarien nachgegangen.

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Diese drei Szenarien

Ein russischer Soldat absolviert auf einer Militärbasis eine Ausbildung zum Drohnenpiloten. Sowohl Russen als auch Ukrainer gelten international als Spezialisten im Einsatz solcher Fluggeräte.  © Imago

Erstes Szenario: Ein vom russischen Geheimdienst gesteuertes Drohszenario, das Deutschlands Verletzlichkeit im Inneren aufzeigen und in der Bevölkerung Ängste schüren soll, dass ein durch Anschläge geführter "Schattenkrieg" hierzulande jederzeit möglich ist, sollte die Kriegsunterstützung für die Ukraine intensiviert werden.

Zweites Szenario: Eine "False Flag"-Aktion des ukrainischen Geheimdienstes, um eine Bedrohungslage durch Russland hierzulande sichtbar zu machen und die Unterstützung der Deutschen bei der Bereitstellung und Finanzierung von Militärtechnik für die Ukraine zu intensivieren.

Drittes Szenario: Eine aus Sicherheitskreisen möglicherweise mithilfe befreundeter Dienste gesteuerte Aktion, um den Handlungsdruck auf Bundesregierung und Parlament zu erhöhen, jetzt massiv in den schnellen Aufbau einer wirksamen Drohnenabwehr und in weitere Rüstungsprojekte zu investieren.

Links: Das Emblem des ukrainischen Auslandsgeheimdienstes SZRU . Rechts: Die Glawnoje Raswedywatelnoje Uprawlenije (GRU) ist Russlands bedeutendster Geheimdienst, der verdeckt auch in Deutschland agiert.  © PR
Der deutsche Bundestag - nach dem Drohnen-Angriff auf den Flughafen Leipzig fordern die Grünen eine Beratung des Nationalen Sicherheitsrates.  © Imago

Suche nach zweiter Drohne dauert an

Dutzende Bereitschaftspolizisten suchten am Donnerstag auf dem Flughafengelände und in dessen Umfeld nach Teilen der zweiten Drohne.  © Michael Strohmeyer

Alle drei Fall-Szenarien gehen davon aus, dass der der Drohne anhaftende 800-Gramm-Sprengsatz nicht zur Explosion gebracht werden sollte, sondern als "Botschaft" zu verstehen ist.

Ein Terrorakt wird in Ermittlerkreisen eher nicht angenommen, da solche Anschläge in der Regel auf Symbolik und hohe Opferzahlen abzielen.

"Religiös motivierte Terroristen hätten an einem internationalen Drehkreuz den Passagierverkehr angegriffen", so ein langjähriger Staatsschutz-Ermittler zu TAG24. Den hierzulande agierenden politischen Extremisten wird polizeiintern die Fähigkeit abgesprochen, einen solchen Angriff technisch und logistisch zu bewerkstelligen.

Die Suche nach Resten der zweiten Drohne, die offenbar als Kamera-Begleitung den Flug der Sprengstoff-Drohne zur ukrainischen Antonov-Basis auf dem Leipziger Flughafen dokumentieren sollte, blieb bis zum Donnerstagnachmittag erfolglos.

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