Extreme Nachfrage seit Corona: 3 Jahre Wartezeit für Schrebergärten in Sachsen

Leipzig - Statt Urlaub auf Mallorca steigt in Corona-Zeiten die Nachfrage nach Kleingärten in Sachsen. Was heißt das für Ballungszentren?

Rund 5000 Besucher sehen sich jährlich das zur Schreberanlage gehörende Museum und die Schaugärten in der idyllisch gelegenen denkmalgeschützten Anlage im Zentrum von Leipzig an.
Rund 5000 Besucher sehen sich jährlich das zur Schreberanlage gehörende Museum und die Schaugärten in der idyllisch gelegenen denkmalgeschützten Anlage im Zentrum von Leipzig an.  © Waltraud Grubitzsch/dpa

Grüner Rasen, blühende Pflanzen und zwitschernde Vögel: Im Kleingärtnerverein "Dr. Schreber" in Leipzig, dem ältesten der Welt, ist die Idylle perfekt.

"Für mich ist es ein Ruhepol im Grünen", sagt Kinderärztin Maria Faßhauer. Auch ihre 14-jährige Tochter findet den Garten cool und freut sich auf die Sommerzeit, in der sie Erd-, Him,- und Brombeeren naschen kann.

Die 88-jährige Helga Honer ist selig, wenn sie ihre Rosen gießt, die seit Jahrzehnten dort prächtig gedeihen. Besonders in Corona-Zeiten wissen die drei ihre Parzelle zu schätzen, denn die Nachfrage ist seit Ausbruch der Pandemie in Sachsen enorm gestiegen.

"Das Interesse an einem Garten ist seit April sprunghaft gewachsen", sagt der Präsident des Landesverbandes der Kleingärtner Tommy Brumm. Der aktuelle Zuwachs lasse sich noch nicht in genauen Zahlen fassen, aber der Verband schätze die Zahl der neuen Pächter auf 4000.

Besonders in den Ballungsgebieten Chemnitz, Dresden und Leipzig sei die Nachfrage groß, dort gebe es bereits Wartelisten. Sie seien teilweise länger als die Zahl der Mitglieder in den Vereinen. Am Anfang des Jahres seien in Sachsen etwa 196.800 Kleingärtner im Verband organisiert gewesen.

Museum zeigt die Geschichte des Kleingärtnerwesens

Diese originale Kücheneinrichtung können Museumsbesucher in einer erhaltenen DDR-Laube anschauen.
Diese originale Kücheneinrichtung können Museumsbesucher in einer erhaltenen DDR-Laube anschauen.  © Waltraud Grubitzsch/dpa

"Im Leipziger Schreberverein müssen Pächter etwa drei Jahre warten, um eine der 160 Parzellen zu ergattern", sagt die Leiterin des dort angesiedelten Deutschen Kleingartenmuseums, Caterina Paetzelt. Das Interesse am "Habitat mit Zaun" habe zwar in den zurückliegenden Jahren schon zugenommen. "Doch mit Corona kam noch einmal ein Kick."

Die Hobbygärtner dort beackern geschichtsträchtigen Boden. Der Orthopäde Moritz Schreber wollte vor allem Kindern aus den tristen Arbeitervierteln eine gesündere Lebensweise ermöglichen. Aus düsteren, staubigen Hinterhöfen wollte er sie zum Spiel in der freien Natur motivieren.

Sein Traum ging erst nach seinem Tod in Erfüllung, als sein Freund, der Lehrer Ernst Innocenz Hauschild, 1864 in Leipzig einen "Verein zum Schaffen von Kinderspielplätzen" gründete.

Zur Erinnerung an seinen Freund nannte Hauschild ihn "Schreberverein". Rund um den ersten Spielplatz legten Kinder Blumenbeete an. Da man das Angebaute vor Dieben schützen wollte und bei schlechtem Wetter Unterkünfte benötigte, kamen schnell Umzäunungen und kleine Hütten hinzu. Das war die Geburtsstunde der Schrebergärten.

Das heutige Museum zeigt die Geschichte des Kleingärtnerwesens in Deutschland auf. So gibt es einen Museumsgarten aus der Zeit um 1900, einen Laubengarten und einen Garten aus DDR-Zeiten. Er zeugt auch vom Erfindungsreichtum in der Mangelgesellschaft der DDR.

Jährlich besuchen etwa 5000 Gäste die Ausstellung des Museums und die Gärten, sagt Paetzelt.

Hält der Boom auch nach Corona? Brumm rechnet nach der Pandemie mit einem leichten Rückgang der Pächterzahl. "Aber viele werden auch bleiben", ist er sich sicher. "Es war es ein Schub für das Kleingartenwesen, nach dem die Entwicklung in den letzten Jahren rückläufig war."

Titelfoto: Waltraud Grubitzsch/dpa

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