Leipzig - Geschätzte zwei Millionen Streunerkatzen leben in Deutschland. Auch in Sachsen ist das Thema ein Problem. Doch während Schleswig-Holstein und Städte wie Hamburg oder Berlin über flächendeckende Schutzverordnungen verfügen, regt sich im Freistaat bislang nichts. Eine Initiative will dies ändern. Mit dabei: "Tatzendienst"-Betreiberin Kristin Vogel.
Schon als Jugendliche habe sie sich im Tierschutz engagiert, erklärt die Leipziger Katzensitterin gegenüber TAG24. Durch ihre Selbstständigkeit sei sie inzwischen zwar nicht mehr in einem Verein aktiv, jedoch noch immer gut mit den Tierheimen und Tierschützern vernetzt.
"Wir kooperieren inzwischen. Wenn Halter fragen, wer sich während ihres Urlaubs um ihre Katzen kümmern kann, haben viele Vereine den Flyer meiner mobilen Katzenbetreuung parat", so Vogel (40). "Gleichzeitig bringe ich Spenden wie Futter, Kratzbäume oder auch Spielzeug, das meine Kunden aussortiert haben, zu den Tierheimen. Wir helfen uns sozusagen gegenseitig."
Durch die Zusammenarbeit bekomme die Katzensitterin immer wieder mit, was bei den Vereinen los ist.
"Ich sehe die Katzen, die sie retten. Die Tiere, die eben nicht fünf verschiedene Sorten Futter zuhause haben, sondern hungern und zum Großteil sterben, wenn ihnen nicht geholfen wird. Dieses Leid kann ich einfach nicht mehr ignorieren. Wenn ich dann aber meine Kunden darauf anspreche, wissen viele gar nicht, dass hier in vielen Gartenanlagen und Hinterhöfen Streunerkatzen und deren Kitten still leiden", schildert sie.
Allein in Sachsen leben Vogel zufolge mehr als 100.000 Streunerkatzen. "Darüber möchte ich meine Kunden gern aufklären und dadurch bin ich mit der Initiative für die Sächsische Katzenverordnung in Kontakt gekommen.
Vogel: "Das Problem ist die unkontrollierte Vermehrung"
Die Initiative setzt sich für eine landesweite Regelung ein, um das Leid von Straßenkatzen im Freistaat Sachsen zu verringern. Um dies zu erreichen, fordert sie eine Katzenschutzverordnung mit Kastrations-, Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht von Freigängerkatzen - also von den Tieren, die einen Halter haben.
"Das Problem ist die unkontrollierte Vermehrung. Natürlich müssen auch Streuner kastriert werden. Das Problem beginnt jedoch bereits bei Hauskatzen mit Freigang. Viele Leute lassen ihre Tiere noch immer nicht kastrieren", so Vogel.
"Sobald sie dann rausgehen, zeugen sie draußen Nachwuchs. Je mehr Streuner, umso größer ist am Ende auch die Gefahr, dass sich Krankheiten verbreiten. Inzwischen werden durch die hohe Zahl an Streunern sogar einige unserer heimischen Vogel-, Reptilien und Amphibienarten bedroht."
Neben dem Kampf gegen das Katzenelend setzt sich die Initiative auch für eine Entlastung der Tierheime ein.
"Für Tierheime und Vereine ist die Versorgung der vielen Fundkatzen eine große Herausforderung. Sie sind dauerhaft auf Spenden angewiesen. Gleichzeitig fehlen personelle als auch räumliche Kapazitäten", sagt die "Tatzendienst"-Betreiberin.
Mit einer Bürgerumfrage des Sächsischen Staatsministeriums für Soziales, Gesundheit und Gesellschaftlichen Zusammenhalt wurde seit März ermittelt, wie groß der Bedarf nach einer Regelung im Freistaat eingeschätzt wird. Die Befragung sei inzwischen abgeschlossen. Nun werde diese ausgewertet.
Gleichzeitig betreibe die Initiative weiter Aufklärungsarbeit. Mehr Infos gibt es unter politik-fuer-die-katz.de.