Gefesselt in Plateau-Schuhen: Rentner stirbt tragisch bei Selbstbefriedigung

Leipzig - Tödliche Selbstbefriedigung! Der Leipziger Insektenkundler Marcus Schwarz (36) spricht mit Journalistin Nina Himmer (37) in der neuen Folge ihres Podcasts "Entlarvende Spuren" über eine tragisch geendete Masturbation.

Erst wurde ein benutztes Kondom, dann der tote Mann gefunden. (Symbolbild)
Erst wurde ein benutztes Kondom, dann der tote Mann gefunden. (Symbolbild)  © 123RF/poongpeedstocker

Es ist der Fall eines älteren Mannes, der allein in einer Wohnung lebte. Der Pensionär ließ sich zu Lebzeiten montags bis freitags Essen auf Rädern liefern. An einem Freitag jedoch öffnete er nicht, als der Fahrer klingelte. Dieser stellte das Essen vor seine Tür. Als er drei Tage später am Montag wiederkam, stand dieses noch immer da.

Die Polizei wurde verständigt und eine Nottüröffnung durchgeführt. "Im Flur lag ein benutztes Kondom. Und als man weiterging, fand man den Bewohner mit auf den Rücken gefesselten Händen neben seiner Couch liegend", berichtet Marcus Schwarz. Auch eine Platzwunde am Hinterkopf wies der Mann auf.

Auf dem Sofatisch habe sich ein leeres sowie ein augenscheinlich zur Hälfte mit Rotwein gefülltes Glas befunden. "Für mich sieht das nach einem filmreifen Tatort aus", sagt Nina Himmer. Das sahen auch die Polizisten vor Ort so, die die Mordkommission verständigten, die wiederum die Rechtsmedizin zum vermeintlichen Tatort bestellte.

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Aber: "Wir konnten sehr schnell eine Täterbeteiligung ausschließen", so Schwarz. Die Indizien sprachen für ein anderes Szenario - einen "autoerotischen" Unfall bei der Selbstbefriedigung. "Es passte alles dazu, dass niemand in der Wohnung war."

Podcast "Entlarvende Spuren": "Wenn er etwas zu essen gehabt hätte, hätte er das problemlos überlebt"

Marcus Schwarz (36) spricht mit Nina Himmer (37) diesmal nicht über Tötungsdelikte.
Marcus Schwarz (36) spricht mit Nina Himmer (37) diesmal nicht über Tötungsdelikte.  © Instagram/marcus.schwarz.forensik

Der frühere Schuster trug eigens hergestellte Plateauschuhe, von denen ein Absatz abgebrochen war. Zudem war ein Strick mit Schlüsseln an den von ihm getragenen Handschellen vorhanden. "Er hätte sich problemlos selbst befreien können", so der Leipziger Forensiker.

Die Schlussfolgerung: "Er hat augenscheinlich einen Fetisch dadurch bedient, sich in Plateauschuhen und in gefesseltem Zustand sexuell zu betätigen." Dabei brach einer der Absätze ab, er schlug mit dem Kopf auf die Tischkante, landete auf seinen gefesselten Händen und konnte sich nach kurzer Ohnmacht nicht mehr selbst befreien.

Im Genitalbereich befanden sich kleinere Fliegenmaden und zudem waren Wangen und Mund mit Fruchtfliegen besetzt. Eigentlich ungewöhnlich. Allerdings lag dies an der letztlich todesursächlichen Unterzuckerung, durch die sich Aceton bildete und die Fliegen anlockte.

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"Wenn er etwas zu essen gehabt hätte, hätte er das problemlos überlebt", schildert Marcus Schwarz die tragischen Umstände.

Die neue Folge und die sechs vorherigen könnt Ihr Euch bei Podimo anhören.

Titelfoto: 123RF/poongpeedstocker

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