"Sind in derselben Lage wie jeder Handwerksbetrieb": Wie kann man Kultur widerstandsfähiger machen?

Leipzig - Fachkräftemangel, verunsicherte Besucher, steigende Energiekosten. Während die Kulturbranche noch immer mit den Spätfolgen der Corona-Pandemie zu kämpfen hat, bekommt sie es nun mit Inflation und Energiekrise zu tun. Wie kann man die Kultur künftig resilienter gegenüber den Krisen dieser Welt machen? Eine Gesprächsreihe in Leipzig will Antworten finden.

Kino, Oper, Konzertsaal: Kultur gibt es in vielerlei Formen. Wie kann man sie resilienter machen? Eine Gesprächsreihe in Leipzig soll dieser Frage nachgehen.
Kino, Oper, Konzertsaal: Kultur gibt es in vielerlei Formen. Wie kann man sie resilienter machen? Eine Gesprächsreihe in Leipzig soll dieser Frage nachgehen.  © Montage: Foto: Daniel Vogl/dpa + Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa + Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa

"Am Anfang haben wir noch geschaut, wie wir mit den Lockdowns oder der Maskenpflicht umgehen", erinnert sich Paul Simang, Projektleiter im Felsenkeller Leipzig und einer der Initiatoren der Gesprächsreihe "KulturKollaps", gegenüber TAG24.

Wie in vielen Teilen Deutschlands fanden durch die Coronakrise auch Leipzigs Kulturschaffende zueinander, um sich gegenseitig unter die Arme zu greifen. Aus Runden Tischen und Arbeitsgruppen habe sich schließlich der Wille nach mehr Sicherheit entwickelt. "Das hat auch damit zu tun, dass wir festgestellt haben, dass bestimmte Effekte gekommen sind, um zu bleiben."

Simang zufolge erlebe die Kulturbranche derzeit - trotz Ende der Maskenpflicht, Abstandsregeln und Lockdowns - einen Besucherschwund von etwa 50 Prozent. Zusätzlich zur anhaltenden Verunsicherung mache sich mittlerweile die Inflation bemerkbar. Hinzu kommen Fachkräftemangel und steigende Energiekosten, die Kulturstätten ebenso treffen wie alle anderen Bereiche.

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Der vorherrschende Begriff angesichts derlei Herausforderungen sei Resilienz. "Wie können wir die Kulturbranche widerstandsfähiger machen gegen das, was uns derzeit beschäftigt?"

Die Gesprächsreihe "KulturKollaps" soll Antworten auf diese Frage finden und Anreize schaffen, sich intensiver mit dem Thema auseinanderzusetzen. Geplant sind mehrere Podiumsdiskussionen, die sich mit der Gegenwart und Zukunft von Kultur und Kulturpolitik befassen sollen.

Die erste findet am morgigen Montag, 21. November, um 19 Uhr im Leipziger Felsenkeller statt. Dabei auf dem Podium: Leipzigs Kulturbürgermeisterin Dr. Skadi Jennicke sowie der Soziologe Prof. Dr. Dieter Haselbach.

"Da kann man auch nicht einfach sagen, wir machen jetzt mal das Bier teurer"

Bei der ersten Diskussion am morgigen Montag wegen Leipzigs Kulturbürgermeisterin Dr. Skadi Jennicke sowie der Soziologe Prof. Dr. Dieter Haselbach auf dem Podium Platz nehmen.
Bei der ersten Diskussion am morgigen Montag wegen Leipzigs Kulturbürgermeisterin Dr. Skadi Jennicke sowie der Soziologe Prof. Dr. Dieter Haselbach auf dem Podium Platz nehmen.  © Montage: Presse/Kulturkollaps + Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

Paul Simang zufolge brauche es mittlerweile ein Umdenken dazu, was wir unter Kultur verstehen. "Wenn wir von Kultur reden, dann meinen wir meist die öffentliche oder öffentlich geförderte Kultur. Das macht aber nur etwa 20 Prozent der gesamten Branche aus."

Die übrigen 80 Prozent - Diskotheken, Konzertsäle, Kinos, Varietés und Kabaretts, um nur einige Beispiele aufzuzählen - müssen sich selbst über Wasser halten.

"Die sind momentan in derselben Lage wie jeder Handwerksbetrieb. Wenn bei diesen Stätten dann auch noch ein Drittel oder sogar die Hälfte der Besucher wegbleibt, dann hat das einen enormen Effekt. Da kann man auch nicht einfach sagen, wir machen jetzt mal das Bier teurer. Das funktioniert nicht."

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Dass es für die aktuellen Herausforderungen keine einfachen Antworten gibt, Bund und Land nicht einfach nur weiter Förderungen ins Leben rufen können, dessen ist sich Paul Simang durchaus bewusst, sagt er.

"Der Staat wird ja schon an allen Ecken und Enden gefordert. Gleichzeitig dürfen wir die großen 80 Prozent der Kulturbranche nicht außer Acht lassen. Deswegen dachten wir uns, es wäre gut, da mal in den Dialog zu treten. Wir wollen ja Erkenntnisse gewinnen, wie es nun weitergehen soll."

Titelfoto: Montage: Foto: Daniel Vogl/dpa + Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa + Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa

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