Vom Flüchtlingskind zur Preisträgerin: Katerina Poladjan gewinnt 15.000 Euro auf Leipziger Buchmesse
Von Birgit Zimmermann
Leipzig - Katerina Poladjan hat den Belletristik-Preis der Leipziger Buchmesse gewonnen. Die 1971 in Moskau geborene Autorin wurde für ihr Buch "Goldstrand" ausgezeichnet, wie die Jury bekanntgab. Es ist ihr fünfter Roman.
Poladjan schickt die Leserinnen und Leser darin auf nur 160 Seiten auf eine Reise von Odessa über Rom bis zum titelgebenden sozialistischen Ferienort Goldstrand in Bulgarien.
Im Mittelpunkt der Geschichte steht der Regisseur Eli, der auf der Couch einer "Dottoressa", einer rätselhaften Analytikerin, auf sein Leben schaut. Daraus entspinnt sich in teils absurden Dialogen eine Geschichte des 20. Jahrhunderts und seiner Verwerfungen in Europa.
"Meisterlich führt Katerina Poladjan vor, wie eine Biografie aus Selbstbefragung und Erfindung entsteht, aus Fabulieren und dem Umschiffen von Schmerz", begründete die Jury die Auswahl. Sie bescheinigte der Autorin zudem eine leichte und zugleich abgründige Sprache.
Poladjan kennt die Orte, von denen sie in "Goldstrand" schreibt, aus dem eigenen Erleben. Als Kind reiste sie mit ihrer Familie Ende der 1970er Jahre aus der Sowjetunion in den Westen aus, lebte zunächst in Rom, später in Deutschland.
Ihre Großmutter sei damals nicht mitgekommen, erzählte Poladjan. "Und da es in der Sowjetunion keinen Individualtourismus gab, mussten wir uns sehr konspirativ immer an diesem Goldstrand in Bulgarien treffen." Fast ihre gesamten Ferien habe sie dort verbracht.
Poladjan war bereits zum zweiten Mal für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert. Schon 2022 hatte sie mit "Zukunftsmusik" auf der Shortlist gestanden.
Preisträger für Sachbuch und Übersetzung
Der Preis der Leipziger Buchmesse wird in den drei Kategorien Belletristik, Sachbuch/Essayistik und Übersetzungen vergeben. Die Sieger erhalten je Kategorie ein Preisgeld von 15.000 Euro. In diesem Jahr hatten 177 Verlage 485 Werke eingereicht.
In der Sachbuch-Sparte setzte sich Marie-Janine Calic mit ihrem Buch "Balkan-Odyssee, 1933–1941. Auf der Flucht vor Hitler durch Südosteuropa" durch.
Darin erzählt sie die weniger bekannte Geschichte von Künstlern und Kulturschaffenden, die zur Nazizeit auf dem Balkan Unterschlupf suchten und fanden.
Der Übersetzer Manfred Gmeiner wurde für seine Übertragung des Romans "Unten leben" von Gustavo Faverón Patriau aus dem Spanischen ins Deutsche geehrt.
Die Leipziger Buchmesse läuft noch bis zum Sonntag. Dort und auf dem dazugehörigen Lesefestival "Leipzig liest" sind zahlreiche Autorinnen und Autoren aus dem In- und Ausland live zu erleben.
Titelfoto: Hendrik Schmidt/dpa

