Kulturstaatsminister Weimer erteilt Leipziger Millionenprojekt Absage

Leipzig - Die Deutsche Nationalbibliothek in Leipzig platzt aus allen Nähten. Die Arbeiten für den geplanten Erweiterungsbau am Deutschen Platz sollten eigentlich 2027 starten und dem Magazin mit Fertigstellung im Jahr 2032 die herbeigesehnte Entlastung bringen. Nun hat Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (61, parteilos) sich überraschend gegen die Realisierung des Millionenprojektes entschieden.

Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (61, parteilos) hat sich gegen die Realisierung des Erweiterungsbaus der Deutschen Nationalbibliothek entschieden. (Archivbild)
Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (61, parteilos) hat sich gegen die Realisierung des Erweiterungsbaus der Deutschen Nationalbibliothek entschieden. (Archivbild)  © Fabian Sommer/dpa

Dabei wachsen die Bestände des Archivs ununterbrochen an: "Täglich gehen rund 13.100 neue Medienwerke in der Deutschen Nationalbibliothek ein, darunter etwa 3300 analoge und 9800 digitale Publikationen", erklärte die Bibliothek. "Die Lagerkapazitäten für Neuzugänge in Leipzig sind nahezu erschöpft."

Der fünfte Erweiterungsbau sollte eine energieeffiziente und nachhaltige Bewahrung des nationalen Kulturerbes ermöglichen. Zugleich sei der Altbau "klimatisch" nicht geeignet, um die Bestände langfristig zu bewahren, hieß es.

Ein Sprecher des Kulturstaatsministers bestätigte der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch nun, dass der Neubau nicht kommen soll. "Staatsminister Weimer strebt an, die Pflichtablieferung an die Deutsche Nationalbibliothek zukünftig weitestgehend digital abzubilden."

Leipzig: Start-up-Märchen mit tödlichem Ende: Filmreife Unister-Story wird neu aufgerollt
Leipzig Start-up-Märchen mit tödlichem Ende: Filmreife Unister-Story wird neu aufgerollt

Laut Gesetz müssen Verlage derzeit grundsätzlich zwei physische Exemplare an die Bibliothek liefern. Weimer setze sich dafür ein, dass es in Zukunft nur noch ein Exemplar sein wird, und das - wenn möglich - ausschließlich digital. Das sei ein Beitrag zum Bürokratieabbau.

Nationalbibliothek: Auch alternative Lösungen kosten Geld

Die Deutsche Nationalbibliothek archiviert seit 1913 sämtliche Publikationen in Deutscher Sprache. (Archivbild)
Die Deutsche Nationalbibliothek archiviert seit 1913 sämtliche Publikationen in Deutscher Sprache. (Archivbild)  © Sebastian Willnow/dpa

"Uns ist die angespannte Haushaltslage des Bundes bewusst", sagt Frank Scholze, Generaldirektor der Deutschen Nationalbibliothek.

"Gleichzeitig ist es dank intensiver Planung gelungen, die Baukosten rund 30 Millionen Euro unter den ursprünglich bewilligten Kosten zu kalkulieren. Der Erweiterungsbau ist darauf ausgelegt, wirtschaftlich und nachhaltig dringend benötigte Magazinflächen zu schaffen."

Fest stehe zudem, dass auch alternative Lösungen zusätzliche Kosten verursachen würden – zusätzlich zu den rund sieben Millionen Euro, die bereits in die Planung des Bauprojekts investiert worden seien.

Leipzig: Weniger Umsatz, höhere Gebühren: Sachsenlotto zieht Bilanz und kündigt große Änderung an
Leipzig Weniger Umsatz, höhere Gebühren: Sachsenlotto zieht Bilanz und kündigt große Änderung an

Seit 1913 hat die Deutsche Nationalbibliothek den Auftrag, sämtliche Publikationen in deutscher Sprache zu archivieren. Jährlich wächst das Magazin um circa 3,5 Regalkilometer und beherbergt momentan rund 56 Millionen Medienwerke auf einer Archivfläche von etwa sieben Fußballfeldern (Stand vom 1. Januar 2025).

Titelfoto: Bildmontage/Fabian Sommer/dpa/Sebastian Willnow/dpa

Mehr zum Thema Leipzig: