Leipziger Tierheim-Chef rechnet mit Politik ab: "Das ist frustrierend"
Leipzig - Wo Tierschutz an seine Grenzen kommt, hören Menschen wie Michael Sperlich nicht auf, sich unermüdlich für ein lebenswertes Leben derer einzusetzen, die nicht für sich selbst sprechen können. Der Leiter des Tierheims Leipzig findet in einer "MDR mittendrin"-Diskussionsrunde klare Worte.
Ehrenamtliche Arbeit ist wichtig, kann aber schlichtweg nicht der Grundpfeiler im Tierschutz sein, so Sperlich.
Denn in seinem Tierheim werden zwar mit den Jahren tendenziell weniger Tiere abgegeben, dafür werde man deutlich öfter mit Tieren konfrontiert, welche gesundheitliche Probleme oder Verhaltensauffälligkeiten aufweisen. Geschultes Fachpersonal ist somit unumgänglich.
Trotzdem sind helfende Hände wichtig. So auch die von Andreas Mechnich. Der ehrenamtliche Gassigeher klärt am Mittwochabend auf, dass es mit kurz knuddeln und zehn Minuten rausgehen nicht getan ist. "Man muss sich die Zeit nehmen" - und das am besten regelmäßig, damit die Hunde eine Bindung zu den Helfern aufbauen können.
Mindestens eine halbe Stunde spazieren plus Vor- und Nachbereitung müsse man pro Tier einplanen.
Dass Tierschutz nicht bei Hunden und Katzen aufhört, beweist Conny Böttger. Sie rettet Kühe und kritisiert, dass die sogenannten Nutztiere im Tierschutz eigentlich keine Rolle spielen.
Eine Aussage, die auch Michael Sperlich aufgrund jahrelanger Erfahrungswerte unterstützen kann. "Das ist Leben, vor dem wir eigentlich Respekt haben sollten", doch genau dieser fehle zu oft.
Gerade in der Politik rutsche der Tierschutz immer wieder hinten runter. "Das ist natürlich auch frustrierend", erzählt Sperlich.
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"Tierisch tierisch"-Moderatorin Uta Bresan: "Es gibt viel zu tun"
Die "Tierisch tierisch"-Moderatorin Uta Bresan (61) war nicht nur für ihre aktuelle Folge zu Gast im Tierheim Leipzig, sie leitete auch die Gesprächsrunde.
Im Austausch mit ihren Gästen wurde schnell klar: "Es gibt viel zutun", so Bresan.
Und die Hauptprobleme des Tierschutzes spielen sich laut Sperlich bei den Nutztieren ab.
Konsequenzen davon spürt auch das Tierheim immer wieder. So auch im vergangenen Jahr, als knapp 150 Mastküken einfach ausgesetzt und zum Sterben zurückgelassen worden. Die Polizei rettete die Tiere und brachte sie ins Tierheim, welches dann vor der Aufgabe stand, sie in ein geeignetes Zuhause weiterzuvermitteln.
"Wir haben einen riesigen Handlungsbedarf in diesem Bereich", stellt der ehrenamtliche erste Vorsitzende des Landestierschutzverbandes Sachsen e.V. fest. Und die Gründe dafür reichen von miserablen Haltungsformen bis hin zu mangelnder medizinischer Versorgung.
Titelfoto: Montage: Christian Grube

