Harte Anschuldigungen: Darum stehen Busse und Bahnen in Leipzig jetzt bis Montagfrüh still

Leipzig - Eine neue Streik-Runde ist angebrochen und wieder stehen in mehreren sächsischen Städten Busse und Bahnen still. Auffällig ist, dass lediglich die Mitarbeiter der Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) ihre Arbeit für mehrere Tage niederlegen.

Erst am 2. Februar hatten Mitarbeiter der LVB im Rahmen eines bundesweiten ver.di-ÖPNV-Streiks die Arbeit niedergelegt. (Archivbild)  © EHL Media/Björn Stach

Während in dem Konflikt zwischen der Gewerkschaft und den Arbeitgebern die Städte Dresden, Chemnitz, Zwickau und Plauen lediglich am Freitag den Nahverkehr weitestgehend einstellen, legten die Leipziger ver.di-Mitglieder nun noch einmal nach:

"Der Streik bei den Leipziger Verkehrsbetrieben wird bis Sonntag verlängert – dies haben die Beschäftigten auf den heutigen Streikversammlungen beschlossen", teilte die Gewerkschaft am späten Freitagnachmittag mit. Laut den Verkehrsbetrieben kommt es daher jedoch voraussichtlich bis Montag, 6 Uhr, zu erheblichen Einschränkungen.

"Wir erleben, dass der größte Widerstand gegen unsere Forderungen aus Leipzig kommt und entsprechend geht da auch der Druck hin", erklärt ver.di-Landesfachbereichsleiter und Verhandlungsführer Paul Schmidt zuvor am Vormittag auf TAG24-Anfrage.

Leipzig Lokal Pilotprojekt in Leipziger Werk: BMW testet humanoide Roboter

Laut ihm hat die Leipziger Geschäftsführung in den letzten Wochen wenig unversucht gelassen, die am Streik Teilnehmenden zu schikanieren.

Als konkretes Beispiel dafür nennt er das Betretungsverbot unter anderem für Betriebshöfe, Werkstätten und Anlagen. Gewerkschaftshauptamtliche und Beschäftigte, die gerade nicht im Dienst sind, dürften somit keinen Fuß auf die Liegenschaften setzen.

Nach Auffassung der LVB handelt es sich hierbei jedoch um sicherheitsrelevante Bereiche. Für diese bedarf es laut Sprecher Marc Backhaus eine entsprechende Schulung und vorsichtiges Verhalten, um sich in Räumen, in den unter anderem mit schweren Maschinen gearbeitet wird, aufzuhalten.

Anzeige
An vielen Haltestellen herrschte am Freitagmittag, wie hier am Gerichtsweg, gähnende Leere.  © Jan-Gerrit Vahl/TAG24

Zu hohe Forderungen: "Woher soll denn das Geld kommen?"

Bis Sonntagmorgen muss in Leipzig mit massiven Einschränkungen gerechnet werden. Die nächste Verhandlungsrunde im Tarifstreit ist für den 9. März angesetzt. (Archivbild)  © EHL Media/Björn Stach

Als weiterer Vorwurf seitens ver.di steht im Raum, dass die Leipziger Verkehrsbetriebe in ihren Hausmitteilungen Mitarbeiter unter Druck setzen.

So habe man in einem Schreiben darüber informiert, dass Arbeitsplätze auf dem Spiel stehen, sollten die Bedingungen der Gewerkschaft erfüllt werden.

"Entsprechend sind in Leipzig die Beschäftigten auch besonders aufgebracht", so Paul Schmidt.

Leipzig Lokal Explosion im Bruno-Plache-Stadion: Einsatzkräfte proben für den Ernstfall

Das Problem der LVB: "Woher soll denn das Geld kommen für das, was jetzt an Forderungen auf dem Tisch liegt?", stellt Marc Backhaus fest.

Um diese Mehrkosten stemmen zu können, müsse ein Plan her und die Gelder an anderen Stellen eingespart werden. Das könne sich auch auf das Einstellen neuer Mitarbeiter auswirken. Von Kündigungen habe man in diesem Fall nicht gesprochen.

Auf die betroffenen Bürger wurde insofern Rücksicht genommen, als der Streik sich nicht über zwei volle Arbeitstage erstreckt, sondern in das Wochenende hinein verläuft, erzählt Schmidt über die Dauer des Streiks.

"Es geht darum, dass wir am 9. März in der nächsten Verhandlungsrunde möglichst zu einem Ergebnis kommen", so das Ziel der Gewerkschaft. Dies ist wohl aktuell der einzige Punkt, in dem sich LVB und Gewerkschaft einig sind.

Erstmeldung von 15.37 Uhr, aktualisiert um 17.29 Uhr.

Mehr zum Thema Leipzig Lokal: